Solidarität mit Destroika! 18.3.2015, 17 Uhr, Ölberg

Heute ist bei linksunten.indymedia ein Aufruf zu einer unter­stüt­zenden Aktion am 18.3. in Wuppertal aufge­taucht, den wir hier dokumen­tieren (Quelle):

Solidarität mit Destroika in Frankfurt!
#18null­drei: Kleiner Praxistest in Wuppertal: Wieviel Polizei gibt es?

auktion

In der Erwartung, durch die zur Abwehr der EZB-Blockade in Frankfurt am Main angeb­lich einge­setzten 10.000 Polizist*innen im Tal eine sturm­freie Bude vorzu­finden, wird für Wuppertal zu einer kollek­tiven Hausbesichtigung in der Marienstraße 41 aufge­rufen. Treffpunkt: Mittwoch, 17  Uhr, Otto-Böhne Platz.

An die bundes­weite dezen­trale Hausbesetzungsaktion «Bürger beschäf­tigen die Polizei» gegen die Räumung des Freiburger «Schwarzwaldhofs» am 13.März vor 34 Jahren anknüp­fend, soll das Haus Marienstraße 41 auf dem Elberfelder Ölberg an diesem Mittwoch – drei Tage vor einer geplanten Versteigerung im Kölner Hilton-Hotel – kollektiv besich­tigt werden. Der EZB ihren neuen Palast, uns ein “Centro Sociale” auf dem Elberfelder Ölberg!

Das Wohnhaus, das seinem Zweck entwendet wurde, und seit Jahren nur noch zur Absicherung eines faulen Kreditpaketes dient, erlebte im letzten Herbst zwei kurzfris­tige Hausbesetzungen. Die beabsich­tigte Einrichtung eines «Centro Sociale», bzw. eines «Refugee Welcome Centers» schei­terte jedoch leider an mehreren in Wuppertal zusam­men­ge­zo­genen Hundertschaften.

Doch es gibt gute und schlechte Zeitpunkte. Der morgige Mittwoch scheint nun ein günstiger zu sein – sind viele der unifor­mierten Kontrahenten doch während eines Betriebsausflugs nach Frankfurt mit der parami­li­tä­ri­schen Besetzung einer ganzen Stadt beschäf­tigt. Das verur­teilen wir. Wir sind für viele, sich anderswo ergebende Möglichkeiten jedoch dankbar.

Die Gestaltung des morgigen Abends ist noch offen – das Programm lebt ganz wesent­lich von eurer Phantasie und eurem Einfallsreichtum. Anregungen lassen sich ganz sicher auch abseits der Marien 41 bei einer Tour durch die nahe Elberfelder Innenstadt finden. Wer es nicht nach Frankfurt schafft, möge um 17 Uhr auf den Ölberg kommen und je nach Lage gute Laune oder ausrei­chend Zorn mitbringen!

Dezentral und überall: #18null­drei: wir sind dabei!
Widerstand an jedem Ort! Solidarität nach Frankfurt!

Wir verstehen die Aktion auch als Debattenbeitrag für kommende Großereignisse wie bspw. den G7-Gipfel in Elmau. Für dezen­trale Aktionen in jeder Stadt!

Artikel teilen

Eulen nach Athen tragen… - ein Disclaimer

Eulen nach Athen tragen…: eine Debatte um Syriza, Troika & Co. Wie schätzen wir die Entwicklungen nach dem Wahlsieg Syrizas in Griechenland ein? Müssen wir uns irgendwie verhalten? Und wenn ja, wie?

owl

Neben dem Sack Reis sind die nach Athen getra­genen Eulen wohl die am häufigsten bemühten Objekte deutscher Floskeln. Was hinter der Redensart steckt, können aber wohl nur ähnlich wenige erklären wie die Zusammenhänge der griechi­schen Krise. Umgangssprachlich stehen die Vögel für eine überflüs­sige Mühe. Für ihren antiken Ursprung gibt es bei Wikipedia zwei mögliche Erklärungen: Entweder war ursprüng­lich die durch einen Steinkauz symbo­li­sierte Klugheit gemeint, die durch die Schutzgöttin Athene in Athen jedoch bereits behei­matet gewesen sein soll, sodass an Ratschlägen von außen kein Bedarf bestand, oder es bezog sich auf die auf Drachmen geprägten Eulen. Demnach war es nutzlos, Geld in die Stadt zu tragen, weil es „an Eulen nie mangeln (wird)“, wie Aristophanes schrieb – wohlge­merkt: es ging um Drachmen.

Uns scheinen die Eulen in jedem Fall das passende Leitmotiv einer kleinen Debatte zu sein, die sich mit einer links­ra­di­kalen Haltung zu Syriza, der Troika und den Notwendigkeiten, sich zu positio­nieren beschäf­tigt, egal, ob es im alten Athen um nutzlose Ratschläge oder um nutzloses Geld ging. Passend auch, weil das Unterfangen auf den ersten Blick durchaus überflüssig erscheint. Die Entwicklungen in der Krisenerzählung Europas sind sicher von vielem abhängig, aber ganz sicher nicht davon, wie sich die Reste einer radikalen deutschen Linken zu ihr positio­nieren; außerdem veröf­fent­li­chen derzeit doch fast alle irgendwas dazu, und vieles davon liest sich eigent­lich auch ganz klug. Warum wollen wir es dann dennoch tun?

Weil wir als kleine Gruppe in der Beurteilung dessen, was wir vom Wahlsieg Syrizas erwarten, und wie uns das fordern könnte, was wir eben erwarten, ebenso uneinig sind, wie die Linke in der veröf­fent­lichten Debatte insge­samt. Weil wir uns eine eigene Perspektive erhoffen – begründet auf der Tatsache, dass wir ursprüng­lich speziell mit Bezug auf das Troika-Regime und den Widerstand in Griechenland den Fokus von einer meist lokalen auf die inter­na­tio­nale Ebene gerichtet hatten; was damals, 2012, eine regio­nale Mobilisierung zum ersten «Blockupy»-Versuch und auch den Impuls, lokales Engagement mit Transnationalem zu verknüpfen nach sich zog. 2015 konnten wir bisher noch keine gemein­same Haltung zu den für den 18.März geplanten Protesten gegen die EZB-Eröffnung in Frankfurt finden – dabei spielen die 2012 gemachten, ambiva­lenten Erfahrungen eine Rolle, aber auch eine in den letzten drei Jahren geschärfte Wahrnehmung der Krisenpolitik. Manches, was seiner­zeit geschrieben wurde, würde heute anders beurteilt. Der Wahlsieg von Syriza und die anschlie­ßende allsei­tige Inszenierung auf der Brüsseler Bühne bieten uns jetzt eine gute Gelegenheit, die verän­derten Wahrnehmungen einmal zu konkre­ti­sieren und uns auch grund­le­gen­dere Fragen zu stellen.

Wie halten wir es beispiels­weise mit dem Parlamentarismus und mit den stetigen - oft frustrie­rend endenden - Versuchen, system­im­ma­nent was zu verän­dern? Welche Prioritäten setzen wir? Ist es wirklich nötig, sich angesichts eigener Schwäche zunächst mit «kleinen Erfolgen» zu begnügen, oder ist es nicht vielmehr genau jetzt notwendig, neue Sabotagestrategien zu entwi­ckeln, die gar nicht erst auf das Ringen um gesell­schaft­liche Mehrheiten setzen? Wo ließe sich da ansetzen? Und wie schätzen wir dann Mobilisierungen wie die zum 18.3. nach Frankfurt ein? Und welche Strategien wären aus unserer lokalen Perspektive überhaupt umsetzbar?

Unter der Überschrift «Eulen nach Athen tragen…» werden wir versu­chen, in loser Folge Einzelmeinungen dazu veröf­fent­li­chen. Auf eine gute Debatte! Jamas!

Artikel teilen