Die Täter bei der Polizei konfrontieren! Gemeinsam nach Dessau!

Die Kara­wane mobi­li­siert landes­weit für die Oury Jalloh-Demo.

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Am 7.Januar 2015 jährt sich der Tod Oury Jallohs zum zehn­ten Mal. Der damals 36-Jährige wurde 2005 – an eine Matratze gefes­selt – in einer Dessauer Poli­zei­zelle verbrannt. So unge­heu­er­lich der offen­sicht­li­che Mord an einem hilf- und wehr­lo­sen Menschen an sich schon ist – noch unvor­stell­ba­rer ist die zehn­jäh­rige Geschichte der Suche nach den Täter*innen. Welche Fragen auch gestellt, welche Indi­zien benannt und welche Gutach­ten auch immer von der für eine Aufklä­rung des Falles kämp­fen­den Initia­tive der Freund*innen Oury Jallohs auch einge­bracht wurden – die Antwort der ermit­teln­den Behör­den und der Justiz stand bereits fest und war immer dieselbe: Der Mann aus Sierra Leone habe die Matratze selber und damit sich selbst ange­zün­det. Die ausblei­bende Rettung durch die in der Wache anwe­sen­den Polizist*innen wurde mit einer merk­wür­di­gen Abfolge tech­ni­scher Pannen und falscher Einschät­zun­gen erklärt. Bei jeder Neuauf­lage der Verhand­lun­gen und Recher­chen kamen neue Mani­pu­la­tio­nen, abge­spro­chene Aussa­gen und unter­schla­gene oder vernich­tete Beweis­mit­tel zum Vorschein. Die absurde poli­zei­li­che Version des Tather­gangs blieb offi­zi­ell jedoch uner­schüt­tert.

Jeder Versuch einer Aufklä­rung und Aufar­bei­tung zerschellte an einer Mauer des Schwei­gens und Lügens, die jeden Rahmen des berüch­tig­ten Corps­geis­tes sprengt, wie er bei Vertu­schun­gen von Polzei­ge­walt und -will­kür üblich ist. Der offen­kun­dige Wille, Schul­dige zu schüt­zen und Abläufe geheim zu halten erin­nert im Fall Oury Jallohs fatal an die Vorgänge rund um die Ermitt­lun­gen zu den zehn Morden des «Natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Unter­grunds». Wo in Dessau zumin­dest Akteure einer Poli­zei­cli­que geschützt werden sollen, sind es beim NSU-Verfah­ren Geheim­dienst­struk­tu­ren quer durch die Bundes­re­pu­blik. Beide Taten und Verstri­ckun­gen verwei­sen auf eine neue Quali­tät des rassis­ti­schen Konsens in den Orga­nen des nach der Wieder­ver­ei­ni­gung wieder­er­stark­ten Deutsch­land. Die den Taten folgen­den und bis heute andau­ern­den Versu­che, Betei­li­gun­gen von Menschen im Staats­auf­trag zu verber­gen und abzu­si­chern, bele­gen, dass bis heute kein Brunch mit diesem rassis­ti­schen Konsens erfolgte und auch nicht beab­sich­tigt ist – allen poli­ti­sche­nen Beteue­run­gen zum Trotz.

Die fort­ge­setzte Forde­rung der «Initia­tive in Geden­ken an Oury Jalloh» nach Aufklä­rung mag daher erschei­nen wie der Kampf gegen Wind­müh­len­flü­gel und die immer noch neu hinzu­kom­men­den Beweise für die Unhalt­bar­keit der staat­li­chen These vom Suizid schei­nen auch zukünf­tig kaum dazu in der Lage, das dichte Netz aus Lügen, abge­spro­che­nen Gedächt­nis­lü­cken und Drohun­gen zerrei­ßen zu können; und doch macht gerade das die Gedenk­de­mons­tra­tion in der klei­nen Provinz­stadt in Sach­sen-Anhalt wich­tig. Zeigen sie der Clique in der Poli­zei­dienst­stelle – ein Groß­teil ist noch immer in Dessau tätig – doch jähr­lich, dass kein staat­li­cher Frei­brief eine Garan­tie für Verges­sen bedeu­tet. Wenn die Justiz außer­stande und offen­sicht­lich unwil­lig ist, die Schul­di­gen mit ihrer Tat zu konfron­tie­ren, müssen wir es tun. Immer und immer wieder – erst Recht am zehn­ten Jahres­tag des Mordes. Wie sehr diese Konfron­ta­tion die Rich­ti­gen trifft und vor allem auch nervt, zeigte sich zuletzt 2012, als die Poli­zei die Demo wegen des Slogans «Oury Jalloh – das war Mord!» massiv gewalt­sam bei der Abreise angriff und dabei auch ganz gezielt gegen einzelne Akti­vis­ten der Initia­tive vorging.

Für die Demo am zehn­ten Jahres­tag mobi­li­siert Die Wupper­ta­ler Gruppe der «Kara­wane für die Rechte der Flücht­linge und Migran­tIn­nen» mit mehre­ren Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen, zu denen auch ein Freund der Dessauer Initia­tive einge­la­den ist. Für den 7.Januar wird eine gemein­same Anreise orga­ni­siert – Tickets können u.a. bei den Veran­stal­tun­gen erwor­ben werden. Die Anreise ist am Morgen des 7.Januar, die Rück­reise am Abend des glei­chen Tages. Die Wupper­ta­ler Infor­ma­ti­ons­ver­stal­tung findet am Diens­tag, den 16.Dezember im Auto­no­men Zentrum an der Marko­man­nen­straße statt. Weitere Veran­stal­tun­gen sind u.a. am 17.12. in Duis­burg und am 18.12. in Düssel­dorf geplant.

Weiter­füh­rende Infor­ma­tio­nen zum Mord an Oury Jalloh:

Ein ausführ­li­ches Dossier bei Labour­Net Germany dazu

Ein WDR-Radi­o­fea­ture zum Fall Oury Jalloh aus dem Okto­ber 2014:
Wider­sprüch­li­che Wahr­hei­ten (53 Minu­ten) [sc_em­be­d_­player fileurl=„http://soli-komitee-wuppertal.mobi/wp-content/uploads/2014/12/Widerspruechliche_Wahrheiten.mp3“]

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