Aus dem Holz des Verhandlungstisches errichtete Barrikaden

In der Besetzung eines Skandal-Leerstands in der Marienstraße 41 sieht die bürger­liche Lokalpresse den Auftakt von Krawallen um das Autonome Zentrum an der Gathe. In Wahrheit handelte es sich um einen Akt zivilen Widerstands gegen die Herunterwirtschaftung gewach­sener Stadtviertel. Die geplanten Nutzungen in der Marienstraße 41 auf dem Ölberg hätten den Menschen der Stadt gut getan. Ein unver­ant­wort­li­cher Polizeieinsatz beendete aber zunächst den Versuch, aus Nutzlosem Sinnvolles zu machen. Der Polizeieinsatz vom Samstag muss aber nicht nur deshalb noch ein Nachspiel haben.

marien_41_30.08

Wie gut es war, dass das Schusterplatzfest mit Filmvorführung am Samstag ein «solida­ri­sches Nachbarschaftfest» war, zeigte sich nicht nur während des Tages, als das Fest wegen schlechten Wetters kurzer­hand auf den Otto-Böhne Platz umzog, und trotzdem recht gut besucht war. Vor allem im Anschluss trug es seinem Namen Rechnung, als viele Nachbar*innen auf die Straßen des Ölbergs gingen, um ihre Solidarität mit den Besetzer*innen des Hauses Marienstraße 41 gegen einen völlig übertrie­benen Polizeieinsatz zu zeigen. Dass das besetzte Haus auf dem Ölberg nicht länger gehalten werden konnte, lag unter anderem daran, dass es dann doch nicht mehr als die zwischen­zeit­lich 150 Menschen waren, die am verreg­neten Samstagabend den Weg in die Nordstadt fanden.

Stattdessen kamen massen­haft eilig angefor­derte Riotcops, die die ganze Nacht über das eigen­mäch­tige Handeln der zuerst auf dem Ölberg einge­trof­fenen Streifenbeamt*innen absicherten. Dabei gab es meist verbale Scharmützel der Ölberg-Bewohner*innen mit den Besatzern. Dass auch einige Einsatzfahrzeuge Schaden nahmen und drei Müllcontainer abbrannten, erscheint angesichts von insge­samt neun Verhaftungen und einem angedrohten Schusswaffeneinsatz gegen die Besetzer*innen als Petitesse.

Dennoch ließ es sich die «Westdeutsche Zeitung», der Zeitungsmonopolist im Tal, nicht nehmen, aus der «fried­li­chen Spontankundgebung» (Polizeibericht) «Krawalle am Ölberg» zu machen. Ihr Redakteur Andreas Boller, verstieg sich sogar zu der Aussage, «die Autonomen» hätten am Samstag den «gerade erst aufge­stellten Verhandlungstisch» über einen Verbleib des AZ an der Gathe «zu Kleinholz» gemacht – wahrschein­lich sieht er schon dutzende Vermummte aus jenem Kleinholz Barrikaden für den 18.Oktober schnitzen. Dann soll bei einer überre­gio­nalen «Tanz- und Kampfdemo» für den Erhalt des Autonomen Zentrums auf die Straße gegangen werden. Mit ihrer Fixierung auf «Randale» und «Autonome» stellt sich die WZ in ihre eigene, vierzig­jäh­rige Tradition, linken Protest in Wuppertal zu krimi­na­li­sieren und zu entle­gi­ti­mieren. Schon zur aller­ersten Hausbesetzung der «Initiative für ein selbst­ver­wal­tetes Jugendzentrum» («ISJ») – in der Hubertusallee in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts – veröf­fent­lichte die Zeitung nichts wesent­lich anderes als heute.

Schlimmer als die fast fetisch­hafte Konzentration auf einige abgeknickte Scheibenwischer und platte Reifen ist aber die gähnende Leerstelle in der WZ-Berichterstattung zur Motivation der Besetzer*innen und zu den Zielen der Besetzung. Die einzige Tageszeitung der Stadt geht mit keinem Wort darauf ein. Anstatt – wie von den Kolleg*innen des WDR vorge­macht – kriti­sche Fragen zum Leerstand in den Wuppertaler Quartieren zu stellen, oder aber über die Notwendigkeit sozialer, unkom­mer­zi­eller Räume in den Kiezen zu disku­tieren, fokus­siert die WZ auf eine vorgeb­liche Konfrontation von AZ und musli­mi­scher DITIB-Gemeinde bezüg­lich des geplanten Moscheeneubaus an der Gathe. Es darf gefragt werden, wessen Geschäft die Zeitung da eigent­lich betreibt. Haben doch anläss­lich der Hausbesetzung, (obwohl sie nichts mit der Standortfrage fürs AZ zu tun hatte), sowohl das AZ als auch DITIB zum wieder­holten Mal klarge­stellt, sich nicht gegen­ein­ander in Stellung bringen zu lassen und damit deutlich gemacht, dass auch die WZ nicht schaffen wird, was den Rassisten von «Pro NRW» schon nicht gelungen ist.

Geschwiegen wird jedoch nicht nur zu den Hintergründen der Besetzung. Auch der eigent­liche Skandal des letzten Wochenendes bleibt unthe­ma­ti­siert: Der unange­mes­sene Polizeieinsatz. Immerhin deutet vieles darauf hin, dass das Vorpreschen der an dem zerbro­chenen, schon vorher kaputten Schaufenster zuerst eintref­fenden Beamt*innen ohne jeden Einsatzbefehl und vor allem ohne Räumungsauftrag statt­fand. Mehr noch: Es scheint, dass der Wuppertaler Polizei bis heute keine Anzeige der insoventen Immobiliengesellschaft vorliegt, der das besetzte Haus gehört. Das brachiale Eindringen auf der Suche (nach was eigent­lich?) und die gezückten Schusswaffen, mit denen die teils noch jugend­li­chen Besetzer*innen im Haus gestellt wurden, hat ohne Grundlage statt­ge­funden. Die Beamt*innen, die am Samstag unabge­spro­chen ins Haus gingen, müssen sich bei den Besetzer*innen und deren beson­nener Reaktion bedanken, dass sich in der Marienstraße kein Drama wie in Burghausen oder Cottbus abgespielt hat, wo in den letzten Wochen zweimal nach vorei­ligem Gebrauch von Schusswaffen durch Polizisten Menschen zu Schaden, bzw. sogar ums Leben kamen.

Erst das chaoti­sche Vorgehen der Wuppertaler Polizei führte schließ­lich auf «dem Berg» auch zu einer zuneh­mend unfreund­li­chen Stimmung. Doch statt eines Rückzugs zur Sondierung der Lage (wie es in solchen Fällen eigent­lich normal sein sollte, solange keine unmit­tel­bare Gefahr besteht), forderten die Polizist*innen Verstärkung von Riot-Cops an, die sie im Laufe der Nacht auch durch Kölner und Dortmunder Einsatzhundertschaften erhielten. Die kamen nach ihrem Eintreffen zunächst auf die irre Idee, den ganzen Ölberg abrie­geln zu wollen – doch Versuche Platzverweise zu erteilen, schei­terten, weil die meisten der Anwesenden Nachbar*innen waren. Ersatzweise wurden Zugänge zum Spätkaufkiosk verhin­dert, ein Verbot des Biereinkaufs ausge­spro­chen, Personalien kontrol­liert und direkte Wege von Anwohner*innen zur eigenen Wohnung unter­sagt. Die weitge­hende Selbstermächtigung der Polizei erinnerte an die aus dem berühmt gewor­denen Hamburger Gefahrengebiet bekannten Umstände. Sie bildete auch die Grundlage der späteren Festnahme zweier, an der Besetzung völlig unbetei­ligter Anwohner*innen, die auf ihrem Weg zu einer Kneipe des Viertels kontrol­liert, körper­lich angegangen und schließ­lich mitge­nommen wurden.

Auch das passierte noch immer alles ohne tatsäch­liche Grundlage. Tatsächlich wurden am letzten Samstag sieben junge Leute inhaf­tiert, denen nichts weiter vorzu­werfen war, als dass sie in einem leeren Haus angetroffen wurden – weswegen eine Anzeige durch die Hausbesitzer hätte gestellt werden müssen, die nicht vorlag. Die Festnahme erfolgte dabei mit vorge­hal­tener Waffe unter «dem Schutz» von über einhun­dert einge­setzten, ortsfremden Polizist*innen, die die zusam­men­ge­kom­menden Anwohner*innen drang­sa­lierten, obwohl diese nichts weiter taten, als die «polizei­li­chen Maßnahmen lautstark zu begleiten» (Polizeibericht). Die Vorgänge auf dem Ölberg in der Nacht zum 31.08. werfen also einige Fragen an die Wuppertaler Polizei auf, die eigent­lich der Lokalpresse einfallen müssten:

  1. Auf welcher Grundlage erfolgte der Zugriff auf die im Haus Anwesenden mit gezogener Schusswaffe?
  2. Wer ist für das unmit­tel­bare Eindringen in das Haus Marienstraße 41 und den Zugriff im Haus konkret verant­wort­lich?
  3. Auf welcher Grundlage, bzw. aus welcher Einschätzung erfolgte der spätere Großeinsatz im ganzen Viertel?
  4. Wer ist für die Anforderung von Einsatzhunderschaften und das versuchte Abriegeln des Viertels konkret verant­wort­lich?
  5. Auf welcher Grundlage erfolgte die spätere, nächt­liche Festnahme zweier unbetei­ligter Anwohner*innen?
  6. Gibt es in Wuppertal analog zu Hamburg (oder, in NRW: Köln), sog. «Gefahrengebiete» oder ähnliche Sonderrechtszonen?
  7. Wenn ja, Ist die Elberfelder Nordstadt/der Ölberg ein solches «Gefahrengebiet»? Wo verlaufen die Grenzen genau?
  8. Wenn ja, welche anderen Gebiete oder Quartiere Wuppertals sind Zonen mit beson­deren Rechten der Polizei?
  9. Wenn ja, wer entscheidet wann und auf welcher Grundlage über die Inkraftsetzung beson­derer polizei­li­cher Rechte?
  10. Wie hoch waren eigent­lich die Kosten des Einsatzes am 30.08.2014?

* Update: Im ganzen Verlauf der Woche kam es wieder­holt zu Polizeieinsätzen, die zum Teil völlig absurden Zwecken dienten. Unter anderem wurden wieder­holt Zettel von der Sperrholzwand entfernt, mit der das kaputte Schaufenster am Haus Mareinstraße 41 «gesichert» wurde. Auf diesen Zetteln waren Vorstellungen der Ölberg-Nachbar*innen für Aufgaben eines sozialen Zentrums formu­liert. In der Nacht zum 05.09. hielt die Wuppertaler Polizei es für nötig, die Entfernung der Zettel mit fünf (!) Streifenwagen und einem Mannschaftswagen zu begleiten. Immer wieder kam es zu Personenkontrollen, auch Menschen, die ledig­lich ein Buch lesend gegen­über in einem Hauseingang saßen, mussten z.T. ihre Personalien abgeben.

Vorläufiger Höhepunkt der Schikanen war dann die Entfernung des auf dem Otto-Böhne Platz befind­li­chen Mobiliars am Mittag des 06.09. durch das Wuppertaler Ordnungsamt. Dabei wurde auch eine Biergartengarnitur mitge­nommen, die von den seit langer Zeit regel­mäßig auf dem Platz Verweilenden seit mehreren Monaten schon als Sitgelegenheit bei Regen diente.

Die Frage nach der Existenz von «Gefahrengebieten» in Wuppertal stellt sich vor diesem Hintergrund noch nachdrück­li­cher.

 

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Erklärungen zur Besetzung der Marienstraße 41 in Wuppertal

Vor einer Woche wurde im Anschluss an das «solida­ri­sche Nachbarschaftsfest» auf dem Wuppertaler Ölberg das Haus an der Marienstraße 41 besetzt. Die Besetzer*innen wollten dort ein «Centro Sociale» in Kombination mit einem «Refugee Welcome Center» einrichten. Wir dokumen­tieren hier nochmals die beiden veröf­fent­lichten Erklärungen der Hausbetzer*innen, bzw. deren Unterstützer*innen, in der Nachbarschaft auf dem Ölberg verbrei­tete Nachrichten, sowie einige Links zu Presseartikeln.

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Das Haus in der Marienstraße 41 nach der Besetzung

• Erste Erklärung (zur Hausbesetzung) vom 30.August 2014. (Quelle)

Hausbesetzung in Wuppertal

Heute haben wir in der Marienstraße 41 auf dem Ölberg in Wuppertal-Elberfeld ein seit Jahren leerste­hendes Haus beschlag­nahmt, um ein centro sociale / refugee welcome center zu eröffnen. Wir wollen das seit Jahren leerste­hende Haus nutzen, um einen für alle WuppertalerInnen zugäng­li­chen Treffpunkt, Infoladen und Veranstaltungsort zu haben. Das ehema­lige Second-Hand-Geschäft ist dafür gut geeignet. Unseres Wissens steht das Haus derzeit nicht zur Vermietung, sondern wird von den Eigentümern als reines Anlagekapital behan­delt. Es ist daher schon seit Jahren ungenutzt und verkommt immer mehr.

Das Haus ist kein Einzelfall in der Nordstadt; mehrere Gebäude verfallen und sind ungenutzt, einige kaputten Häuser stellen sogar eine Belastung und Gefahr für AnwohnerInnen und PassantInnen dar, wie z.B. die Brandruine in der Bandstraße. Selbst kaputte Scheiben werden oft nicht ersetzt. Dabei gibt es zahlreiche sinnvolle und dringend benötigte Nutzungen, wie zum Beispiel soziale Treffpunkte in den Stadtteilen, Infoläden, Orte für freie Bildungsarbeit und Beratungsangebote, Gib-und-Nimm-Läden, unkom­mer­zi­elle Kulturangebote, oder eben Anlaufpunkte für neu in Wuppertal ankom­mende Geflüchtete. Das heute von uns angeeig­nete Haus in der Marienstraße soll dementspre­chend ein Ort für alle ÖlbergerInnen und WuppertalerInnen sein.

Wir fordern die Stadt Wuppertal dazu auf, solche leerste­henden Häuser zu enteignen und die Gebäude den Menschen zur Verfügung zu stellen, die sie brauchen. Wir wollen, dass die Stadt das in diesem Fall tut und es uns zu den oben genannten Zwecken zur Verfügung stellt.

Wir bitten alle NachbarInnen um Verständnis, dass wir sie nicht alle in die Planung einbe­ziehen konnten, und laden herzlich dazu ein, in den nächsten Tagen im Centro Sociale / Refugee Welcome Center auf dem Ölberg vorbei­zu­kommen. Eine erste Gelegenheit zum Kennenlernen gibt es schon am Sonntagmorgen ab 11 Uhr bei einem Frühstück mit und für Nachbar*innen.

Auch Spenden sind uns herzlich willkommen, angefangen von Tischen und Stühlen über Stoffe, Wandfarben u.ä. bis hin zu Kuchen, Kaffee und Lebensmittel. Dringend brauchen wir auch eine große Glasscheibe, um den hässli­chen Holzverhau des Ladenlokals zu ersetzen.

Wir grüßen die Squattingdays in Hamburg und die Aktivist*innen von Avanti in Dortmund und alle Besetzer*innen überall!

appli­ca­tion loi de requi­si­tion! refugees welcome to wuppertal!

• Zweite Erklärung nach der Räumung vom 02.September 2014 (Quelle)

Besser die Jugend besetzt leere Häuser als fremde Länder!

Erklärung von Unterstützer*innen der Hausbesetzung in Wuppertal nach der schnellen Räumung.

Am Samstagabend haben einige Aktivist*innen aus dem Umfeld des Autonomen Zentrums versucht, ein seit Jahren leerste­hendes Mietshaus mit Ladenlokal auf dem Elberfelder Ölberg zu besetzen. Leider gelang es der Polizei, die Besetzung der Marienstraße 41 nach kurzer Zeit zu beenden. In der Folge kam es zu insge­samt neun Festnahmen: sieben Personen wurden in dem besetzten Haus verhaftet, zwei der Festgenommenen waren völlig unbetei­ligte Ölberger*innen. Eine festge­nom­mene Person wurde bei der Aktion der Polizei am Kopf verletzt.

Das denkmal­ge­schützte Haus in der Marienstraße steht seit Jahren leer, die Eigentümergesellschaft, eine Tochter der insol­venten Treveria Immobilienholding lässt die Immobilie vergam­meln (mehr Hintergründe zu den Eigentümer*innen in der Stellungnahme der «UnternehmerInnen für die Nordstadt e.G. http://www.njuuz.de/beitrag27151.html). Die Absicht der Besetzer*innen war, das ungenutzte Gebäude den Menschen in der Nordstadt und speziell den Ölberger*innen zurück­zu­geben. Welche Nutzungen geplant waren, ist der noch am Abend der Besetzung veröf­fent­lichten Erklärung zu entnehmen (http://linksunten.indymedia.org/de/node/121618).

Reaktionen wie die des SPD-Bezirksbürgermeisters Hans-Jürgen Vitenius, der laut Westdeutscher Zeitung davon sprach, das Haus könne nicht als Ersatz für das Autonome Zentrum (AZ bleibt an der Gathe!) gedacht sein, zeugen von Ignoranz gegen­über den politi­schen Zielen der Hausbesetzung. Offenbar hat Vitenius keinen Blick in die Erklärung der Besetzer*innen geworfen, er geht auch mit keinem Wort auf die Forderung ein, die Stadt möge die in der jetztigen Form für die Menschen in der Nordstadt nutzlose Immobilie in der Marienstraße 41 enteignen und einer sinnvollen nachbar­schaft­li­chen Nutzung zugäng­lich machen.

Gedacht war das Haus als Treffpunkt und Sozialzentrum (Centro Sociale) für die Bewohner*innen des Ölbergs und als Willkommensort für neu in Wuppertal eintref­fende geflüch­tete Menschen (Refugee Welcome Center). Beide Nutzungen sind in der gewünschten Form am Standort des AZ in der Markomannenstraße nicht machbar.

Es war geplant, die Nachbar*innen des Ölbergs, die sich in der Samstagnacht mehr vom überzo­genen Polizeieinsatz als von der Besetzung des Hauses genervt zeigten und sehr solida­risch reagierten, intensv in die Überlegungen zur Nutzung des Hauses einzu­be­ziehen. Für den Sonntagvormittag war ein gemein­sames Frühstück im Haus vorge­sehen, bei dem die Gelegenheit bestehen sollte, eigene Wünsche und Vorschläge für eine zukünf­tige Nutzung zu machen. Für die erste Woche des «Centro Sociale» waren darüber­hinaus Hartz IV-Beratungsangebote, ein runder Tisch mit Geflüchteten, eine Diskussionsrunde zu Hausbesetzungen, Mieter*innentreffen und Filmvorführungen geplant. Tägliche Plena sollten dabei einen engen Austausch mit der Nachbarschaft schaffen. Auch zur Instandsetzung des Hauses waren erste Überlegungen angestellt worden. Die Polizei hat diese Nutzungen leider (zunächst) verei­telt.

Wir werden natür­lich weiterhin für die notwen­dige soziale Infrastruktur in unseren Vierteln kämpfen. Dazu gehören unver­än­dert ein Refugee Welcome Center und viele Soziale Zentren in den Quartieren.

Einige Worte zum Polizeieinsatz:

Die als erste im Quartier eintref­fenden Cops haben «auf eigene Rechnung» gehan­delt – ohne Räumungstitel und ohne einen Einsatzbefehl. Ihr Vorgehen war völlig unver­ant­wort­lich. So sahen sich die zum Teil noch jugend­li­chen Besetzer*innen mit gezogenen Schusswaffen konfron­tiert, obwohl diese sofort nach Eindringen der Polizei signa­li­sierten, dass von ihnen keine Gefahr ausging. Die jungen Besetzer*innen wurden auch im weiteren Verlauf mit Gewaltandrohungen in Schach gehalten. Die Androhung des Einsatzes von Schusswaffen gegen die Hausbesetzer*innen ist völlig unver­hält­nis­mäßig und auch gefähr­lich. So wurde die Öffentlichkeit alleine in den letzten Wochen mehrmals von folgen­rei­chen Schusswaffeneinsätzen bei Polizeiaktionen geschockt, u.a. in Burghausen und in Cottbus. Wir fordern die Wuppertaler Polizei dazu auf, zum überzo­genen Vorgehen ihrer Beamt*innen und zur Einsatztaktik Stellung zu beziehen.

Denn der unver­hält­nis­mä­ßige Polizeieinsatz setzte sich weiter fort: Offenbar überfor­dert von der Solidarität zahlrei­cher Nachbar*innen und verun­si­chert von den örtli­chen Gegebenheiten, beorderte die Einsatzleitung im Laufe der Nacht ein fast militä­ri­sches Aufgebot nach Wuppertal. Auch wenn die Polizeiführung aus «einsatz­tech­ni­schen Gründen» keine Angaben macht: Wir können bestä­tigen, dass zur Verhinderung der Aneignung eines leerste­henden Hauses Einsatzhundertschaften aus Köln und Dortmund angefor­dert wurden. Erst die immer massiver werdende Polizeipräsenz in der Stadt und auf dem Ölberg führte im weiteren Verlauf zu zuneh­mendem Unmut der Anwohner*innen.

Vor diesem Hintergrund ist es verständ­lich und folge­richtig, wenn in einer solchen Situation viele Anwohner*innen und solida­ri­sche Menschen auf die Straße gehen und aufge­bracht und wütend sind. Dabei finden wir es wichtig, dass alle darauf achten, Nachbar*innen nicht zu verschre­cken oder zu ängstigen. Wenn diese von den weiteren Ereignissen der Samstagnacht dennoch gestört wurden, lag das eindeutig am Versuch der Polizeiführung, ein ganzes Viertel mehr oder weniger zu besatzen. Anwohner*innen wurden daran gehin­dert, über den Ölberg zu gehen oder Geschäfte und Lokale aufzu­su­chen; die Stimmung der einge­setzten Beamt*innen war äusserst aggressiv. Noch in der Nacht wurden zwei an der Aktion völlig unbetei­ligte Ölberger*innen im Rahmen einer Personenkontrolle bedrängt, körper­lich angegriffen und in Gewahrsam genommen. Während die Besetzer*innen der Marienstraße 41 gegen vier Uhr wieder frei waren, wurden die beiden Nachbar*innen bis zum Morgen festge­halten.

Für die erhal­tene Solidarität möchten wir allen Nachbar*innen und Unterstützer*innen ausdrück­lich danken. WE Love Nordstadt

nachricht

Direkte Kommunikation: Einladung an die Nachbar*innen

• Einladung zum Nachbar*innen-Treffen vom 02.September 2014 (Quelle)

Liebe Nachbarinnen und Nachbarn auf dem Ölberg!

Ihr habt Samstag die Besetzung des Hauses an der Marienstr. 41 und vor allem die anschlie­ßende Räumung durch die Polizei mitbe­kommen.

Als Besetzer*innen bzw. Unterstützer*innen der Aktion hatten wir natür­lich leider keine Möglichkeit, im Vorfeld mit allen Anwohner*innen zu sprechen.
Daher nochmal zum “warum?”:

Gedacht war das Haus als Treffpunkt und Sozialzentrum (Centro Sociale) für alle Ölberger*innen und als Willkommensort für neu in Wuppertal eintref­fende Flüchtlinge (Refugee Welcome Center). Für die erste Woche waren u.a. Hartz IV-Beratungsangebote, eine Diskussionsrunde zu Hausbesetzungen, ein runder Tisch mit Geflüchteten, Mieter*innentreffen und Filmvorführungen geplant. Auch zur Instandsetzung des Hauses waren schon erste Überlegungen angestellt worden.

In die konkrete Planung und Gestaltung der Räume und der Angebote wollten wir euch natür­lich mit einbe­ziehen. Es waren ab dem ersten Tag regel­mä­ßige Treffen vorge­sehen, bei denen die Gelegenheit bestehen sollte, eigene Wünsche und Vorschläge für eine zukünf­tige Nutzung zu machen. Die schnelle Räumung hat unsere Pläne leider zunächst verei­telt.

In unserer Wahrnehmung haben in der Samstagnacht viele von euch sehr solida­risch reagiert. Viele äußerten sich sehr genervt von dem überzo­genen Polizeieinsatz und blieben bis spät in der Nacht vor Ort. Wir wissen, dass es dabei auch zu Ärger und Sorge bei einigen Nachbar*innen gekommen ist, bspw. weil Papiercontainer angezündet wurden und der Qualm in Wohnungen gedrungen ist, oder weil Leute Sorge um parkenden Autos hatten. Außerdem war es um den Otto Böhne-Platz herum natür­lich etwas unüber­sicht­lich und laut. Das tut uns leid. Es war nicht unsere Absicht euch zu nerven. Es war eine Reaktion auf das riesige Polizeiaufgebot, das den ganzen Berg abrie­geln wollte.

Wir möchten euch für jetzt Dienstag, den 2.September herzlich dazu einladen, mit uns über die Aktion und den Polizeieinsatz am Samstag zu reden, und uns eure Kritik, Anregungen, Unterstützung (oder was auch immer), mitzu­teilen. Wir würden auch gerne mit euch disku­tieren wie es weiter gehen kann, denn in der Nordstadt verkommen immer mehr leerste­hende Häuser. Wir denken, dass wir dagegen alle gemeinsan etwas unter­nehmen sollten.

Wir haben deshalb unser Dienstagstreffen, bei dem es ums Thema Hausbesetzungen gehen soll, vom AZ auf den Otto Böhne Platz verlegt (bei zu schlechtem Wetter im Stil-Bruch). Beginn ist am Dienstag um 19:00 Uhr. Seid willkommen!

Besser die Jugend besetzt leere Häuser als fremde Länder!

treffen_02.09

Treffen mit 70 Nachbar*innen am 02.09.

• Reaktion auf Vorkommnisse nach der Besetzung vom 07.September 2014

Kurze Nachricht fürs Gefahrengebiet!

Ein Hinweis für unsere Nachbar*innen vom Ölberg!

Speziell für jene, die auf den Straßen des Ölbergs kleine Deals machen, sich auf den öffent­li­chen Plätzen treffen, noch zu jung für irgendwas sind, gerne mal den Sperrmüll nach Brauchbarem durch­su­chen oder einfach auch nur rumhängen wollen!

Nachdem am 1.September durch das Ordnungsamt der Stadt Wuppertal nicht nur einige neu hinzu­ge­kom­menen Stühle vom Otto-Böhne Platz entfernt wurden, sondern auch die Biergartengarnitur, die unter dem Pavillon schon lange als Sitzgelegenheit bei Regen diente, gehen wir davon aus, dass es sich um eine Schikane handelt, die Unfrieden zwischen Nachbar*innen und Unterstützer*innen der Hausbesetzung in der Marienstraße 41 stiften soll. Das Vorgehen gegen solida­ri­sche Unbeteiligte ist inter­na­tional eine bewährte Strategie um solida­ri­sche Nachbarschaften ausein­an­der­zu­bringen.

Wir rechnen deshalb mit weiteren Schikanen wie Personenkontrollen, Razzien oder Platzverboten gegen Unbeteiligte auch in den nächsten Tagen. Wir finden das scheiße und wollen – soweit möglich – gemeinsam dagegen vorgehen. Damit ihr im Falle einer solchen Schikane nicht alleine seid, bieten wir euch an, uns anzurufen und den Vorfall mitzu­teilen.

Dafür steht euch folgende Telefonnummer zur Verfügung: 0176 xxxxxxxxxx

Sagt uns bitte was euch wann und wo passiert ist. Euren Namen müsst ihr uns nicht sagen. Gerne könnt ihr uns auch beim Sperrmüllfest am Mittwoch, den 10.September direkt anspre­chen.

Seid bitte vorsichtig und passt auf euch auf! Gegen ein Gefahrengebiet in der Wuppertaler Nordstadt!

Die Besetzer*innen der Marienstraße 41 und Unterstützer*innen

Einige Links zu anderen Artikeln und Berichten:

• Polizeibericht zur Nacht auf den 31.08.
• Krawalle am Ölberg - Polizei räumt besetztes Haus (Fotostrecke der WZ)
• Eskalation am Ölberg: Haus besetzt, Polizeiautos demoliert (Artikel WZ 31.08.)
• Randale auf dem Ölberg: Autonome besetzen ein Haus (Artikel WZ 31.08.)
WDR 1-Bericht zur Hausbesetzung u.d. Besitzverhältnissen vom 01.09.2014
• Stellungnahme des Vereins Unternehmer/innen für die Nordstadt e.V.
• Stadt hofft auf Miteinander von Moschee und Autonomen (Artikel WZ 02.09.)

• Viele Berichte gibt es laufend auch bei den «Eisbrechern Wuppertal»

• Bericht der WDR-Lokalzeit vom 01.09.2014
http://youtu.be/zOBh8dPN5sE

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