Nachtrag zu den Mördern von Sant’Anna

Die SS-Mörder von Sant’Anna, die bei einem Massaker kurz vor Kriegsende in Norditalien 560 grausam umgebrachte tote Zivilisten, darunter 116 Kinder, hinter­ließen, haben in der demokra­ti­schen Bundesrepublik nichts zu befürchten. Nach zehn Jahren Ermittlungsarbeit hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart die Verfahren gegen jene Männer, die in Italien in Abwesenheit bereits rechts­kräftig verur­teilt wurden, vor einigen Tagen einge­stellt. (Wir berich­teten) Dieses Video ist eine Ergänzung dazu. Der Bericht lief im ARD-Magazin «Kontraste»

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Die Mörder von Sant’Anna di Stazzema kommen davon

Ausgerechnet die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat heute das Ermittlungsverfahren gegen acht noch lebende Beteiligte am Massaker von Sant’Anna di Stazzema (Italien) vom 12.August 1944 einge­stellt. Bei dem Massenmord, der auf dem Rückzug der Wehrmacht – kurz vor dem Kriegsende in Italien – begangen wurde, waren von der Waffen-SS 560 Zivilisten massa­kriert worden. Es waren überwie­gend Frauen und 116 Kinder. Sie wurden in Gehöften und auf dem Kirchplatz zusam­men­ge­trieben, dann wurden Handgranaten in die Menge geworfen und Männer, Frauen und Kinder wahllos erschossen. Die Häuser des Dorfes wurden nieder­ge­brannt. Nach nur gut drei Stunden war das Dorf ausge­rottet. Das jüngste Opfer war 20 Tage alt.

Die Begründung der Staatsanwaltschaft Stuttgart für die Einstellung des Ermittlungsverfahrens liest sich wie aus dem Sprachschatz des Orwell’schen «Wahrheitsministeriums» zusam­men­ge­bas­telt:

«Es könne nicht mit ausrei­chender Sicherheit belegt werden, dass es sich bei dem Massaker der Panzergrenadierdivision ‘Reichsführer SS’ um eine befoh­lene Vernichtungsaktion gegen die Zivilbevölkerung gehan­delt» habe, teilte die Staatsanwaltschaft Stuttgart mit. Den Ermittlungen zufolge bestehe «auch die Möglichkeit, dass der Einsatz dazu dienen sollte, arbeits­fä­hige Männer nach Deutschland zu verschleppen und die Erschießung der Zivilbevölkerung erst befohlen wurde, als dieses Ziel nicht erreicht werden konnte». Damit sei es aber nicht möglich, eine Mordanklage der mutmaß­li­chen Täter mit der «bloßen Teilnahme an dem Einsatz» zu begründen. Jedem einzelnen Angeschuldigten müsse vielmehr seine Beteiligung am Massaker indivi­duell nachge­wiesen werden. Was leider nicht gelungen sei. 

Frust über das Misslingen einer eventu­ellen zwangs­weisen Rekrutierung von Arbeitskräften fürs Nazireich ist für die Staatsanwaltschaft Stuttgart also hinrei­chend Grund genug für die nachträg­liche Relativierung von Massenmord.

Es bleibt auch 2012 dabei: Solange dieses Land seine schwei­ni­schen Verbrechen ungesühnt und die Täter mit formal­ju­ris­ti­scher Huberei davon­kommen lässt, solange wird es für keinen anstän­digen Menschen einen Weg geben, sich mit Deutschland zu arran­gieren.

Von einem italie­ni­schen Gericht wuren folgende zehn Männer 2005 und in einer Revision 2006 in Abwesenheit der Abschlachterei für schuldig befunden:
Karl GroplerGeorg RauchGerhard SommerAlfred SchönenbergLudwig Heinrich Sonntag (inzw. verstorben) - Alfred Mathias ConcinaHorst Richter (inzwi­schen verstorben) Werner BrussHeinrich SchendelLudwig Goering

Niemals vergessen, niemals vergeben!

 

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