WDR-Lokalzeit zum Bemberg-Streik

Vor 40 Jahren, im September 1972, streikten Arbeiter/-innen des AKZO Glanzstoff-Konzerns in Breda und Wuppertal. Sie kämpften gegen die vom AKZO-Vorstand geplanten Betriebsschliessungen. Es entwi­ckelte sich ein inter­na­tional geführter Arbeitskampf gegen diese Pläne. Am 18. September 1972 besetzten Arbeiter/-innen in Breda ihr Werk, 20 Stunden später streikte auch die Wuppertaler Bemberg-Belegschaft.

Anlässlich einer Veranstaltung zum 40-jährigen Jahrestag des inter­na­tional geführten Streiks berich­tete auch die WDR Lokalzeit Bergisches Land darüber.

Artikel teilen

Unterm Strich ein Erfolg. Rückblick auf den 1.Mai

Das Wochenende zum 1.Mai in Wuppertal aus sozial-revolu­tio­närer Sicht.

Ein Bericht, dem eigent­lich nichts hinzu­zu­fügen ist, zu den Aktivitäten rund um den ersten Mai im Tal. (Quelle: Class War is Now!)

Unterm Strich ein Erfolg.
Das Wochenende zum 1.Mai in Wuppertal aus sozial-revolu­tio­närer Sicht.

Das Fazit zum Wuppertaler Wochenende zum 1.Mai 2012 fällt gemischt aus. Die Repolitisierung der Aktionen und Demonstrationen kontras­tiert mit einer Entpolitisierung des Drumrum. Die lokalen Medien sind – ebenso wie die bundes­weiten Leitmedien – ausschließ­lich auf «Action» fixiert und ignorieren die politi­schen Aussagen der Demonstrationen vollständig. Der Aufgabe, die politi­schen Inhalte demnach aus den Mai-Demonstrationen heraus nach außen zu vermit­teln, waren wir noch nicht wirklich gewachsen. Dennoch macht die Zahl der Teilnehmenden und das Engagement Vieler bei der Mobilisierung und Organisation der dicht aufein­an­der­fol­genden Ereignisse Mut für die nächsten Tage und Wochen, in denen die Fokussierung weiterhin auf der Mobilisierung zu den «Blockupy»-Protesten vom 16. bis 19.Mai in Frankfurt liegt. Unter dem Strich dürfen sowohl die Vorabend-Nachttanzdemo, als auch die unange­mel­dete Autonome 1.Mai-Demonstration als Erfolg gewertet werden. Die Beteiligung an der Demonstration der Gewerkschaften am Mittag des 1.Mai erwies sich hingegen als ziemli­cher Flop.

Die Wuppertaler Presse ignoriert die politi­schen Anliegen und Aussagen der linken Demonstrationen im Umfeld des 1.Mai gewohn­heits­mäßig, ebenso wie die bundes­weiten Medien. Dies geschieht, obwohl sie aus der Vergangenheit hätte lernen können: immerhin thema­ti­sierte die links­ra­di­kale Szene 2010 bereits die kommu­nale Finanzkrise, als im Tal noch niemand wirklich davon wissen wollte, und schließ­lich wurde durch die radikale Linke und die Antifa bereits auf das wachsende Problem mit Nazi-Gewalt in der Stadt hinge­wiesen, als Stadt und Lokalpresse die Existenz einer Wuppertaler Nazi-Szene in völliger Blindheit noch schlicht leugneten. Doch Lernen setzt auch den Willen dazu voraus. Bezeichnend, dass der bei der Vorabend-Demo anwesende Journalist der WDR-Lokalzeit anschei­nend enttäuscht von ausblei­benden Auseinandersetzungen gegen 23:00 Uhr abschob, und die Vorabend-Demo dann im Lokalfernsehen auch gar nicht erst statt­fand.

Überraschend ist es natür­lich nicht, dass auch 2012 keine politi­schen Inhalte wieder­ge­geben wurden. Die unter dem Motto «Kapitalismus wegbassen!» statt­fin­dende Vorabend-Nachttanzdemo am 30.04. und die Autonome 1.Mai-Demonstrationen «für eine soziale Revolution» standen in diesem Jahr analog zu den Demonstrationen in Berlin und anderswo ganz im Zeichen einer Thematisierung des durch die herrschende Klasse immer inten­siver geführten Krieges gegen die Bevölkerungen des Trikont und Südeuropas. Unsere Aufgabe wäre es gewesen, diese Inhalte aus den Aktionen und Demonstrationen heraus vernehm­lich nach außen zu tragen.

Das ist leider nur unvoll­ständig gelungen. Ein Hauptprobleme ist dabei sicher, dass die Vorabend-Nachttanzdemo einen ambiva­lenten Rahmen bildet. Einerseits aufgrund der öffent­lich­keits­wirk­sa­meren Route für eine politi­sche Vermittlung bestens geeignet, türmen sich durch das party­ge­rechte Demo-Konzept andere Schwierigkeiten auf. Die gehal­tenen Reden – es gab Redebeiträge am «Alpenmax» und vor dem «Pavillon» zur Duldung stadt­be­kannter NazischlägerInnen in einzelnen Clubs der Stadt und wieder­keh­rende Mobilisierungen zu «Blockupy» in Frankfurt – versan­deten regel­mäßig etwas in der tanzwü­tigen Crowd, sodass die sinnvol­ler­weise diesmal gebil­dete Demospitze mit einem «Smash Capitalism»-Fronttransparent die politi­sche Vermittlung beinahe alleine schul­tern musste. Dafür jedoch war sie nicht groß genug und auch nicht optimal zusam­men­ge­stellt.

Ein weiteres, wieder­keh­rendes Problem der zum zweiten Mal durch­ge­führten Vorabend-Demo ist die Route selber. Wurde im Vorjahr die «B7» als furchtbar empfunden, so zog sich in diesem Jahr der Weg über den Hofkamp zum Schauspielhaus teilweise arg in die Länge, sodass von den zwischen­zeit­lich bis zu 350 Teilnehmenden in der Elberfelder Innenstadt etliche auf der Strecke geblieben waren, als die Demo endlich gegen 23:00 Uhr bei der zweiten Zwischenkundgebung angekommen war. Der Weg vom Schauspielhaus zurück war dann wieder angenehm und gut gelaunt, wozu die diesmal insge­samt defen­sive Vorgehensweise der Polizei beitrug. Mit einem schönen Feuerwerk am «Autonomen Zentrum» empfangen, löste sich die «basta!»-Vorabend-Nachttanzdemo gegen 00:30 Uhr schließ­lich an der Markomannenstraße auf.

Die Vorabend-Nachttanzdemo bietet enormes Potential, was sich nicht nur an der deutlich gestie­genen Zahl der Teilnehmenden ablesen lässt. Mehr als bisher sollte in Zukunft jedoch darauf geachtet werden, die Chance zur Vermittlung politi­scher Inhalte besser zu nutzen.

Dies gilt umso mehr, da die Vorabend-Demo einen demobi­li­sie­renden Einfluss auf alle Versuche hat, am Folgetag politi­sche Inhalte bei der Mai-Demonstration der Gewerkschaften zu setzen. Die Beteiligung eines «antika­pi­ta­lis­ti­schen Blocks» fiel fast vollständig aus. Zwar stellte sich eine kleine Gruppe den teilneh­menden GewerkschafterInnen (geschätzte TeilnehmerInnenzahl: etwa 750 Menschen) an der Kluse zur Begrüßung mit einem klassen­kämp­fe­ri­schen Transparent kurzzeitig in den Weg, und griff so das Murren der mit ihrer Führung unzufrie­denen Basis der Gewerkschaften auf, doch fand sich im Anschluss keine wahrnehm­bare, geschlos­sene Gruppe im Demonstrationszzug. Die Parolen an der Demo-Spitze zur deutschen «Sozialpartnerschaft», die mitver­ant­wort­lich für die Demontage der Lebensbedingungen in Europs Süden ist, (…das Frontbanner forderte beispiels­weise «faire Leiharbeit»…), blieben so fast unwider­spro­chen. Der Eindruck von der DGB-Demo war deshalb wieder ein äusserst langwei­liger, was auch nicht dazu beitragen wird, in den nächsten Jahren eine stärkere Präsenz antika­pi­ta­lis­ti­scher Gruppen zu fördern. Bleibt es im nächsten Jahr bei einer Vorabend-Nachttanzdemo, wogegen grund­sätz­lich nichts spricht, sollte überlegt werden, sich die Frustration am nächsten Mittag lieber ganz zu ersparen.

Dass auch das anschlie­ßende, «entschlossen solida­ri­sche» Bratwurstessen der Gewerkschaften samt frohsi­nigem Bürgermeister Jung (CDU) auf dem Laurentiusplatz mangels «revolu­tio­närer Massen» weitge­hend unpoli­tisch und ungestört blieb, rundete das ernüch­ternde Bild vom «Flop» schließ­lich ab.

Wenig später am «Autonomen Zentrum» an der Gathe angekommen, sah alles zunächst nach einer weiteren Enttäuschung aus, sammelten sich dort zunächst nur ähnlich wenige TeilnehmerInnen wie im letzten Jahr, als der 1.Mai auf einen Sonntag fiel. Doch scheinbar hatten viele aus den Platzverweisen und Personenkontrollen von 2011 gelernt – im Laufe der Demonstration wuchs der Zug beständig an. Auf der Hochstraße wurde eine Teilnehmendenzahl von 400 geschätzt. Leider war die Einsatzleitung der Wuppertaler Polizei  – Polizeipräsidentin Radermacher beglei­tete die Demonstration – nach den Ausbruchversuchen des letzten Jahres zu einer engeren Begleitung der Demospitze zurück­ge­kehrt. Teilweise erinnerte der Einsatz an einen «offenen Wanderkessel», so dicht waren die Reihen der Uniformierten an der Spitze, seitlich und hinter der Demo gestaf­felt. («Ich dachte erst, dass die Polizei demons­triert», so eine Anwohnerin.) Daher blieben die allseits beliebten Richtungsänderungen im Straßengewirr der Norstadt in diesem Jahr aus, und leider war deshalb auch eine inten­si­vere inhalt­liche Ansprache der AnwohnerInnen schlicht nicht möglich. Trotz gerufener Parolen wie «Hand in Hand mit Griechenland – Widerstand zum Flächenbrand!», hatten viele keine Ahnung «wofür oder wogegen» demons­triert wurde. So erreichte die 2012er Ausgabe der tradi­tio­nell unange­mel­deten Wuppertaler autonomen 1.Mai-Demo diesmal schon nach nur zwei Stunden den Zielort auf dem Schusterplatz, wo das auch bei den AnwohnerInnen beliebte autonome Schusterplatzfest den Tag abrun­dete. Neben Getränken, Musik und Volxküche gab es auch auf dem Schusterplatz noch einmal Beiträge, die zu Folgeterminen mobili­sieren sollten: zu den «Blockupy»-Aktionstagen in Frankfurt, zum «NoBorder-Camp» in Düsseldorf und Köln im Juli, sowie zum «Antifa-Camp» in Dortmund im Spätsommer.

Auch im Verlauf des 1.Mai gab es keine größeren Zwischenfälle. Teilnehmende und Polizei agierten eher zurück­hal­tend – sieht man von den schika­nösen Personenkontrollen und Platzverweisen durch die Polizei an der Ecke Friedrich-/Markomannstraße vor Beginn der autonomen Demo einmal ab.

Dieser Tatsache lässt sich auch von unserer Seite ein positiver Aspekt abgewinnen – kann sie doch auch in den Kontext einer «Repolitisierung» der Mai-Demonstrationen gestellt werden. Folgt man den Aufrufen zu den verschie­denen Aktivitäten des langen Wochenendes, gibt es derzeit Wichtigeres als Laufsport im Viertel, wie die Vorbereitung auf die Tage in Frankfurt.

Zum Abschluss noch ein Wort zum Oelbergfest, das am Samstag, den 28.04. das ereig­nis­reiche Wuppertaler Mai-Wochenende einlei­tete: Die Veranstaltung, die noch nie eine primär politi­sche Angelegenheit gewesen ist, war in diesem Jahr noch weniger eine Plattform für Inhalte als in den Vorjahren. Hieß es im Vorfeld, der ausufernde Verkauf von Speisen und Getränken solle einge­schränkt werden, bot sich zumin­dest auf der Marienstraße ein ganz anderes Bild. Gefehlt haben diesmal vor allem die Informationstische und -stände, sodass die einzigen Gelegenheiten zur politi­schen Auseinandersetzung der «autonome Schulhof» in der Marienstraße und die Aktion von «Kein Mensch ist Illegal» auf dem Schusterplatz waren. Als Rahmen zur Thematisierung politi­scher Anliegen war das Oelbergfest ein Ausfall – es dominiert mittler­weile eine zum Teil orien­tie­rungslos auf «dem Berg» herum­ir­rende auswär­tige Menge – stets auf der Suche nach Bespaßung.

Mobilisierung auf dem Oelbergfest. Ein mühse­liges Geschäft.

Einzig erwäh­nens­wert blieb somit die Attacke auf einen Quartiersbus der Stadtwerke, in dem bekannte weibliche Nazis versuchten, den Ort des Geschehens zu verlassen. Im Gegensatz zur von der Wuppertaler Polizei vorge­fer­tigten Berichterstattung der WZ bleibt dazu festzu­halten, das der wesent­liche Teil der hinter dem Bus herstür­menden Menschen Nachbarn und Nachbarinnen des Oelbergs waren – und nicht die Antifa. Chapeau! Ein, auf einen Linienbus gewor­fener Stein bleibt natür­lich scheisse, es darf aber nicht übersehen werden, dass auch das Verhältnis zwischen «unpoli­ti­scher» Hood und Nazis zuneh­mend eskaliert – ein (noch immer unbestä­tigter) Vorfall wie am letzten Freitag, bei dem Wuppertaler Nazis angeb­lich eine migran­ti­sche Frau angegriffen haben sollen, trägt sicher nicht zur Beruhigung bei. Bei einem Vorgang, der auch intern nicht vollständig zu klären ist, pauschal «linke Chaoten» verant­wort­lich zu machen, ist daher schlicht diffa­mie­rend.

Straße frei für den ersten Mai! Auf nach Frankfurt vom 16.-19.Mai!

Ein Mensch aus der Vorbereitungsgruppe

Einstweilen geht unsere «Blockupy Frankfurt»-Mobilisierung weiter: Wer Fragen zu den Aktionstagen vom 16.-19.05 in Frankfurt hat, kann bei unseren offenen Treffen mit uns Kontakt aufnehmen. Vor «Blockupy» finden noch zwei solche Treffen im Lokal «Hayat» in der Schreinerstraße auf dem Elberfelder Oelberg statt: heute, Donnerstag, den 03.05 und nächste Woche Donnerstag, den 10.05. Beginn ist jeweils ab 19:30 Uhr.

Weitere Termine: Nächsten Samstag (05.05.) steigt die BLKSK!-Soli-Party im Autonomen Zentrum an der Markomannestraße (23:00 Uhr). Die Erlöse der Party werden für lokale und inter­na­tio­nale Reisekostenzuschüsse verwendet.

Eine Woche später (Samstag, 12.05.) findet dann unsere Informationsveranstaltung zu den «Blockupy»-Tagen statt. Ort ist erneut das Autonome Zentrum, Uhrzeit: 19:00 Uhr.

Artikel teilen