Demonstration für mehr Beteiligung in Wuppertal

Wie erwartet, hat gestern die « alter­na­tiv­lose » Ratsmehr­heit der « großen Koope­ra­tion” von CDU und SPD im Wupper­taler Stadtrat die knapp 13.000 Unter­schriften der Initia­tive « döpps105 » für « unzulässig » erklärt. Nachdem alle Versuche der Stadt, die Initia­tive für ein Bürge­rIn­nen­be­gehren gegen die immer teurer werdende Planung der Großbau­stelle « Döppers­berg » in der Elber­felder Innen­stadt, auszu­bremsen im Vorfeld geschei­tert waren, wurde in der notwendig gewor­denen Sitzung des Stadt­rates am 07.04. die juris­ti­sche Reißleine gezogen.

Die politi­sche Willens­er­klä­rung von 13.000 Wupper­ta­le­rInnen wurde dabei ausge­blendet, über die Möglich­keit, angesichts der großen Zahl der Unter­zeich­nenden nun einen von den Ratsfrak­tionen ausge­henden Ratsbür­ger­ent­scheid durch­zu­führen, wurde kaum gespro­chen. Die Grünen im Stadtrat machten dabei wieder einmal die größten Verren­kungen. In ihrer Rede bedau­erten sie die – ihrer Meinung nach – recht­liche Unzuläs­sig­keit des vorlie­genden Bürge­rIn­nen­be­geh­rens wortreich, auf den Vorschlag der LINKEN, daher nun einen eigenen, rechts­si­cheren Antrag für einen Ratsbü­ger­ent­scheid auszu­ar­beiten, gingen die Grünen jedoch nicht ein.

Über die Wirksam­keit und die Möglich­keiten reprä­sen­ta­tiver Demokratie und Betei­li­gung kann ausdau­ernd gestritten werden, skandalös bleibt das Verhalten der großen Parteien Wupper­tals in jedem Fall. Die 13.005 einge­sam­melten Unter­schriften stellen eine nicht zu ignorie­rende Größe dar. Das wird spätens­tens klar, wenn die Zahl mit den Stimmen vergli­chen wird, die die beiden großen, den « Döppers­berg » durch­set­zenden Parteien bei der letzten Kommu­nal­wahl im Tal erreicht haben : Die CDU kam auf gerade einmal 42.868 Stimmen, die SPD erreichte gar nur 32.491 Wupper­ta­le­rInnen. Die 13.005 Unter­schriften, die die kleine, mit ledig­lich einigen « Kunden­stop­pern » und Plakaten arbei­tende Initia­tive « döpps105 » in nur acht Wochen einsam­melte, können da gar nicht hoch genug einge­schätzt werden.

Das Thema wird die Stadt weiter beschäf­tigen – mindes­tens bis 2018, das ist nach derzei­tigem Stand der Termin der Fertig­stel­lung des neuen « Döppers­berg ». Doch schon am nächsten Samstag will die Initia­tive « döpps105 » ihren Protest gegen die Ignoranz der Lokal­po­litik mit einer Demons­tra­tion in Elber­feld auf die Straße tragen. Die Presse­mit­tei­lung der Initia­tive « döpps105 » und der Aufruf zur Demo finden sich in unserer Veran­stal­tungs­an­kün­di­gung.

mina_12.04Das so_ko_wpt, das die Initia­tive mit einer kriti­schen Distanz in den letzten Wochen begleitet und unter­stützt hat, wird sich in der nächsten Zeit der Thematik noch ausführ­li­cher widmen.

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Was in Kölle geht, soll im Mülheim nicht scheitern !

Alle für Kalle, Kalle für alle und Wissoll­straße erhalten !

Update (04.04.2014): Der Zwangs­räu­mungs­termin wurde vom Landge­richt Duisburg zunächst ausge­setzt. Die, sich aus dem Urteil des Amtsge­richts Mülheim vom 06.03.2014 ergebende Zwangs­voll­stre­ckung wird gegen gegen eine Sicher­heits­leis­tung einge­stellt. Das ist aber ledig­lich ein Etappen­er­folg in der Ausein­an­der­set­zung um die Häuser an der Wissoll­straße. Nach wie vor wird Tengel­mann aufge­for­dert, die Abriss­pläne aufzu­geben und den Dialog mit den Bewohner*innen der Wissoll­straße wieder aufzu­nehmen. Ob’s nächsten Mittwoch tatsäch­lich ohne Gerichts­voll­zieher abgeht, entscheidet sich Anfang der Woche.

Aktuelle Infos : wissoll​stras​se​er​halten​.wordpress​.com/

Im April stehen in der Region gleich zwei ganz beson­dere Zwangs­räu­mungs­ter­mine an, bei denen die Hilfe vieler Aktivis­tInnen gefor­dert ist, damit die Gerichts­voll­zieher nicht zum Zuge kommen. Für den 16.April ruft das Kölner Bündnis « Zwangs­räu­mung verhin­dern ! » mit dem Schlachtruf « Alle für Kalle, Kalle für alle ! » zum zweiten Mal alle auf, ins Agnes­viertel zu kommen, nachdem ihm am 20.Februar ein erster großer Mobili­sie­rungs­er­folg in NRW gelungen war : Die Zwangs­räu­mung von Kalle, der von seinem Vermieter mittels einer fragwür­digen Eigen­be­darfs­klage und infolge eines skandalös vermie­ter­freund­li­chen Urteils aus seiner Wohnung geworfen werden sollte, konnte durch den Wider­stand und das frühe Aufstehen von mehr als 200 Leuten erfolg­reich verhin­dert werden. Für den 16.April ist nun ein zweiter Räumungs­ver­such durch den Gerichts­voll­zieher angekün­digt worden. Nach der Schlappe am 20.Februar wird er wohl diesmal entschlos­sener vorgehen, es wird also wichtig sein, in der Unter­stüt­zung für Kalle nicht nachzu­lassen, sondern noch eine Schippe drauf­zu­legen.

Alle Infor­ma­tionen gibt es auf der Website des Kölner Bündnisses.

Eine Woche vorher, am 09.April, soll an anderer Stelle Miete­rInnen das Mobiliar vor die Tür gesetzt werden. Leider bisher weniger bekannt als der Kölner Fall ist die angedrohte Räumung der ehemals besetzten « Wissoll­straße » in Mülheim/Ruhr durch den Konzern Tengel­mann. Das seit 1995 bestehende alter­na­tive Wohnpro­jekt soll Neubau­plänen der Unter­neh­mens­gruppe weichen. Tengel­mann argumen­tiert mit einem « maroden Zustand » der drei Häuser, ein Urteil, das von den Bewoh­ne­rInnen absolut nicht geteilt wird. Die WG ist ihr Zuhause und sie ist es für viele Menschen vor ihnen schon gewesen (auch wir haben einen persön­li­chen Bezug zur « Wissoll­straße»). Für alle, die dort gelebt haben, waren die Häuser immer bewohnbar, günstig und absolut nicht « marode ». Doch auch hier folgte das Amtsge­richt vor zwei Wochen kritiklos der Argumen­ta­tion des Unter­neh­mens und sprach die Räumungs­ver­fü­gung aus. Dass diese bereits vier Wochen später in die Tat umgesetzt werden soll, ohne eine endgül­tige gericht­liche Klärung abzuwarten, spricht dafür, dass Tengel­mann vollendete Tatsa­chen schaffen will.

Doch die Bewoh­ne­rInnen der « Wissoll­straße » wehren sich und sind nicht gewillt, das Wohnpro­jekt zu verlassen. Sie brauchen eine möglichst breite Unter­stüt­zung, damit eines der wenigen alter­na­tiven Wohnpro­jekte der Region nicht von einem Großkon­zern hinweg­ge­fegt wird. Eine Blockade der Zwangs­räu­mung am 09.April wäre auch ein guter und ermuti­gender Auftakt für die zu erwar­tende Ausein­an­der­set­zung eine Woche später in Köln.

Um am 09.April aussichts­reich blockieren zu können, empfiehlt es sich, möglichst deutlich vor 08:00 Uhr in der Wissoll­straße in Mülheim zu sein. Eventuell ist es auch hilfreich, bereits am Abend vorher anzureisen. Platz dürfte in den bedrohten Häusern genügend vorhanden sein.

CREATOR: gd-jpeg v1.0 (using IJG JPEG v62), quality = 90Alle Infor­ma­tionen zur « Wissoll­straße » und Kontakt zu den aktuellen Bewoh­ne­rInnen finden sich auf der Website. (Hier erfahrt ihr auch jeder­zeit Neues, z.B., ob die letzten juris­ti­schen Versuche, den Termin zu verschieben, vielleicht doch erfolg­reich sind.)

Also alle hin da – Zwangs­räu­mungen verhin­dern !
1.Räumungsversuch in Mülheim, Wissoll­straße : Mittwoch, 09.April ab 0800
2.Räumungsversuch in Köln, Fontan­e­st­raße : Mittwoch, 16.April ab 0800

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