Podcast mit Caro von NSU-watch

Caro Keller war am 19. April zu Gast im Autonomen Zentrum Wuppertal und referierte dort über die Konti­nuität der Zusam­men­ar­beit staat­li­cher Behörden mit militanten Nazis.

Der Podcast über den NSU-Komplex, rechten Terror und Rassismus“ beginnt mit einem Gespräch über den aktuellen Verlauf des NSU-Prozesses in München. Dort haben die Plädoyers der Vertei­di­gung noch nicht begonnen. Es wird auf zwei weitere Wochen der Verzö­ge­rungs­taktik zurück­ge­blickt. Trotzdem nähert sich die Urteils­ver­kün­dung. Höchste Zeit also, die Kampagne “Kein Schluss­strich” vorzu­stellen, die zum Tag der Urteils­ver­kün­dung nach München mobili­siert. (Mit einem Inter­view mit der Sprecherin der Kampagne).

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Perspektiven einer neuen Solidarität

Veran­stal­tungen und Diskus­sionen zu Kurdi­stan in Wuppertal

Mit diesem Beitrag stellen wir einen Audio­mit­schnitt der Podiums­dis­kus­sion zum « Projekt Rojava » und zur Rolle der Türkei im Krieg der IS-Milizen gegen die kurdi­sche Bevöl­ke­rung zum Nachhören zur Verfü­gung. Bei der Veran­stal­tung am 19.Oktober disku­tierten Ayten Kaplan und Ismail Küpeli im Hayat mit uns. Weitere Veran­stal­tungen zum Thema alter und neuer deutsch-kurdi­scher Solida­rität sind bereits in Vorbe­rei­tung. Zunächst gibt es am morgigen Samstag, den 1.November, im Rahmen des « inter­na­tio­nalen Aktions­tages für Kobanê » einen Rückblick auf solida­ri­sche Struk­turen der alten BRD. Dabei versu­chen wir, uns Andrea Wolf zu nähern, die als « Ronahî » für die PKK kämpfte, und am 23.Oktober vor sechzehn Jahren vom türki­schen Militär ermordet wurde. Zwei Wochen später – am 15.November – veran­staltet das « Multi­Kulti » an der Hochstraße in Wuppertal-Elber­feld außerdem ein Follow-Up zu unserer Podiums­dis­kus­sion, bei dem u.a. erneut mit Ayten Kaplan vom Frauen­büro CENÎ über die aktuelle Situa­tion in Rojava und Shingal und über Perspek­tiven einer „neuen Solida­rität” geredet werden soll.

Die Diskus­sion am 19.Oktober.
Ein zweistün­diger Anfang.

Für die Podiums­dis­kus­sion zum « Projekt Rojava » und zur Rolle der Türkei im altehr­wür­digen « Hayat » auf dem Ölberg in Wuppertal-Elber­feld vor etwa 70 inter­es­sierten Zuhörer*innen gab es ein Drehbuch, das einen Rundum­blick zur Situa­tion in Rojava, zur Rolle der Türkei und zum politi­schen Projekt des « demokra­ti­schen Konfö­de­ra­lismus » ermög­li­chen sollte. Als Veranstalter*innen hatten wir zudem den Wunsch, die Entwick­lung deutsch-kurdi­scher Solida­rität zu beleuchten, die sich in den letzten Jahrzehnten merklich abgekühlt hatte. Bei dem strammen Programm war es vorher­zu­sehen, dass nicht alle Punkte zur Zufrie­den­heit aller würden bespro­chen werden konnten. Speziell das sich neu entwi­ckelnde kurdisch-deutsche Verhältnis kam bei der Diskus­sion am Ende dann auch etwas kurz.

Es war ein hochin­ter­es­santer und teilweise auch emotio­naler Abend, der sich in der ersten Stunde haupt­säch­lich mit geostra­te­gi­schen Fragen und speziell mit der Inter­es­sen­lage der türki­schen Regie­rung im Krieg zwischen den Milizen des « Islami­schen Staates » und den Kurd*innen im syrischen Teil Kurdi­stans befasste. In der zweiten Stunde der Veran­stal­tung lag der Fokus dann auf dem politi­schen Projekt in Rojava und Nordkur­di­stan (in der Türkei). Es ging um Einschät­zungen zur weiteren Entwick­lung des kurdisch-türki­schen Konflikts und um mögliche Auswir­kungen auf die Demokra­ti­sie­rung in den kurdi­schen Gebieten. Im Mittel­punkt stand der Wandel der kurdi­schen Arbei­ter­partei (PKK) von einer dogma­tisch marxis­tisch-leninis­ti­schen zu einer eher antiau­to­ri­tären und auf eine nicht­staat­liche Basis­de­mo­kratie hinar­bei­tenden Organi­sa­tion. Während Ayten Kaplan und andere den politi­schen Wandel als folge­rich­tige theore­ti­sche Neuaus­rich­tung nach dem Ende des « real existie­renden Sozia­lismus » ansahen, gab Ismail Küpeli zu bedenken, dass dem Wandel auch eine militä­ri­sche und politi­sche Stagna­tion voraus­ge­gangen war, der die PKK zu Änderungen gezwungen habe. Unstrittig waren die gesell­schaft­li­chen Fortschritte die trotz der in Syrien herrschenden Kriegs­be­din­gungen in Rojava erreicht werden konnten. Ayten Kaplan betonte dabei vor allem die beson­dere Wichtig­keit der Rolle der Frauen in der kurdi­schen Gesell­schaft, die eine Voraus­set­zung zur Errei­chung weiter­rei­chender Ziele sei.

Klar wurde bei der Veran­stal­tung, dass es weit mehr bedarf als einer einzigen Diskus­si­ons­runde, um die politi­schen Entwick­lungen in Kurdi­stan wirklich zu beurteilen, nachdem es in weiten Teilen der deutschen Linken über viele Jahre kaum noch Inter­esse an der Politik der PKK gegeben hatte. Auch die Ausbil­dung einer neuen Solida­rität, sowohl in Bezug auf die kurdi­schen Kämpfe, aber auch in Bezug auf eine neue gemein­same Basis hier, erfor­dert mehr Zeit und einen weiteren Austausch. Angesichts der Entwick­lungen – im Mittleren Osten, aber auch in Deutsch­land – erscheint eine gegen­sei­tige neue Solida­rität aller­dings notwen­diger denn je. Und Gelegen­heit zum Austausch besteht schon in den nächsten Wochen zweimal :

Veran­stal­tung und Lesung zu Andrea Wolf
Solida­rität gestern und heute.

Samstag, 1.Nov., 20 Uhr, Multi­Kulti, Hochstraße 53c, Wuppertal-Elber­feld

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Jahre­lang war Andrea Wolf in der radikalen Linken der alten Bundes­re­pu­blik aktiv – zuerst in München, später in Frank­furt. Als militante Aktivistin aus autonomen Bezügen der achtziger und frühen neunziger Jahre erlebte sie die bundes­deut­sche Repres­si­ons­ma­schine und verbrachte mehrfach einige Monate ihres Lebens in (Unter­su­chungs-) Haft. Doch Andrea Wolf erlebte auch die Krise der radikalen Linken mit, die (auch) infolge der Ereig­nisse zu Beginn der neunziger Jahre mit Wieder­ver­ei­ni­gung und dem « Ende der Geschichte » weiteren politi­schen und militanten Aktivismus zuneh­mend erschwerte.

Als sie von einem 129er-Verfahren wegen einer angeb­li­chen Betei­li­gung am Anschlag auf den neuen Knast in Weiter­stadt bedroht wurde, entschloss sie sich, die BRD zu verlassen und sich dem kurdi­schen Wider­stand anzuschließen. Ende 1996 ging sie « in die kurdi­schen Berge», besuchte ein Ausbil­dungs­lager der Arbei­ter­partei Kurdi­stans (PKK) und betei­ligte sich anschlie­ßend zunächst im inner­kur­di­schen Bürger­krieg im Nordirak in den Reihen einer Einheit der YAJK – dem Freien Frauen­ver­band Kurdi­stans. Später kämpfte sie als « Ronahî», ihrem Nom de Guerre, auch gegen die türki­sche Armee in Nordkur­di­stan. Bei einem Gefecht in Ost-Anato­lien, bei dem bis zu 40 PKK-Guerillas ihr Leben verloren, wurde sie schließ­lich am 23.10.1998 lebend gefangen genommen. Sie überlebte die Gefan­gen­nahme jedoch nicht. Mit anderen wurde « Ronahî » vom türki­schen Militär zu Tode gefol­tert.

Wir wollen uns der Person Andrea Wolf mit unserer Veran­stal­tung am 1.November im Multi­Kulti annähern. Wenige Tage nach dem 16.Jahrestags ihrer Ermor­dung wollen wir jedoch nicht nur der Person « Ronahî » gedenken, sondern auch versu­chen, Grund­lagen militanter Solida­rität in den 90er-Jahren zu beleuchten. Dazu haben wir Wegge­fährten von Andrea einge­laden aus ihren gemein­samen Erfah­rungen zu berichten. Außerdem wird aus dem vergrif­fenen Buch « Im Dschungel der Städte, in den Bergen Kurdi­stans » gelesen werden. Die Veran­stal­tung, die im Rahmen des « inter­na­tio­nalen Aktions­tages für Kobanê” statt­findet, soll uns einen Einblick in die Unter­schiede und Gemein­sam­keiten trans­na­tio­naler Solida­rität gestern und heute geben. Der Eintritt ist frei, die Veran­stal­tung beginnt gegen 20 Uhr.

Wie lässt sich eine neue Solida­rität verfes­tigen ?
Info-Veran­stal­tung zu Kurdi­stan

Samstag, 15.Nov., 20 Uhr, Multi­Kulti, Hochstraße 53c, Wuppertal-Elber­feld

11.15

Nach der ersten Runde mit einer Podiums­dis­kus­sion zum « Projekt Rojava » und zur Rolle der Türkei im Krieg der IS-Milizen gegen die kurdi­sche Bevöl­ke­rung im Hayat am 19.Oktober, folgt knapp einen Monat später ein zweiter Infoabend zur aktuellen Lage in Rojava und Shingal, dem (ehemals) mehrheit­lich von Yeziden bewohnten Gebiet im Nordirak. Neben der Infor­ma­tion zur Situa­tion der bedrohten kurdi­schen Siedlungs­ge­biete soll auch die politi­sche Entwick­lung thema­ti­siert werden : Wie hoch ist der Preis, den die Revolu­tion in Rojava für die lebens­not­wen­dige militä­ri­sche Unter­stüt­zung zu zahlen hat ? Wie verän­dert der Krieg die noch jungen Struk­turen der Selbst­ver­wal­tung in Rojava ? Gibt es neue Allianzen zwischen den Akteuren aller kurdi­scher Siedlungs­ge­biete, oder drohen ein « Roll-Back » und neue inner­kur­di­sche Ausein­an­der­set­zungen ? Welche Chancen hat die einge­lei­tete kurdi­sche Demokra­ti­sie­rung im geostra­te­gi­schen Inter­es­sen­ge­flecht und wie können in Deutsch­land neu entstan­dene solida­ri­sche Struk­turen verfes­tigt werden ?

Diese Fragen sollen bei der vom « Multi­Kulti » organi­sierten Diskus­sion neben anderen u.a. mit Ayten Kaplan (CENÎ, Kurdi­scher Frauenrat) bespro­chen werden. Damit soll der am 19.10. begon­nene Prozess einer Annähe­rung deutscher und kurdi­scher Linker in Wuppertal fortge­setzt und vertieft werden. Der Eintritt ist frei, die Diskus­sion beginnt gegen 20 Uhr.

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