Podcast mit Caro von NSU-watch

Caro Keller war am 19. April zu Gast im Autonomen Zentrum Wuppertal und referierte dort über die Konti­nuität der Zusam­men­ar­beit staat­li­cher Behörden mit militanten Nazis.

Der Podcast über den NSU-Komplex, rechten Terror und Rassismus“ beginnt mit einem Gespräch über den aktuellen Verlauf des NSU-Prozesses in München. Dort haben die Plädoyers der Vertei­di­gung noch nicht begonnen. Es wird auf zwei weitere Wochen der Verzö­ge­rungs­taktik zurück­ge­blickt. Trotzdem nähert sich die Urteils­ver­kün­dung. Höchste Zeit also, die Kampagne “Kein Schluss­strich” vorzu­stellen, die zum Tag der Urteils­ver­kün­dung nach München mobili­siert. (Mit einem Inter­view mit der Sprecherin der Kampagne).

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Stadt benennt Mehmet-Kubaşık-Str. schon wieder um !

Heute, am 20.Januar, findet anläss­lich der Aussage von Opfern des Keupstra­ßen­at­ten­tats im NSU-Prozess eine bundes­weite Demo der Initia­tive « Keupstraße ist überall » in München statt. Mehr als 150 Anwohner*innen haben die weite Fahrt auf sich genommen, um ihren Nachbar*innen, für die der Prozess eine große Belas­tung darstellt, in München beizu­stehen. Sie alle mussten nach der Explo­sion der Nagel­bombe die Erfah­rung aller Opfer des NSU-Terrors machen : Sie wurden zur Zielscheibe von Verdäch­ti­gungen und Nachstel­lungen durch deutsche Behörden und Medien.

Auch nach der Selbstent­tar­nung des NSU geht die Ignoranz gegen­über den Opfern des Terrors fast ungebro­chen weiter – im Fokus der Öffent­lich­keit stehen meist die Täter, speziell die in München angeklagte Beate Zschäpe. Mit einer Reihe solida­ri­scher Aktionen sollte das aufge­bro­chen werden. Unter anderem mit einer parallel in zehn Städten erfolgten Umbenen­nung von Straßen, mit der den Ermor­deten eine Würdi­gung zuteil werden sollte. In Wuppertal wurde so am 4.November mit einer kleinen Kundge­bung die « Schnei­der­straße » auf dem Ölberg in « Mehmet-Kubaşık-Straße » umbenannt. (Siehe unseren Artikel dazu)

Leider hielt die Stadt­ver­wal­tung diese – von den Anwohner*innen des Ölbergs akzep­tierte – Umbenen­nung nicht sehr lange aus. Obwohl die Straße vor der kleinen Zeremonie nach einem Unfall wochen­lang ohne städti­sche Reaktion namenlos gewesen war, ging es nun recht schnell : In einer Nacht- und Nebel­ak­tion benannten städti­sche Mitarbeiter*innen die « Mehmet-Kubaşık-Straße » einfach wieder in « Schnei­der­straße » um. Das eigens angefer­tigte Straßen­schild verschwand auf Nimmer­wie­der­sehen im städti­schen Orkus*.

Als solida­ri­sche Geste für alle, die heute in München sind, um beim NSU-Prozess auszu­sagen oder zu demons­trieren, gaben Nachbar*innen vom Ölberg am Sonntag­abend der Mehmet-Kubaşık-Straße ihren Namen zurück. Erneut wurden die Schilder ausge­wech­selt. Diesmal dauerte es keine 24 Stunden, bis die Schilder entfernt wurden. Die Straße am Schus­ter­platz trägt nun wieder den falschen Namen « Schnei­der­straße ». Das letzte Wort in der Angele­gen­heit ist das jedoch sicher nicht.

Liebe Grüße aus Wuppertal in die Keupstraße und nach München.

* Es gibt inzwi­schen eine Entschul­di­gung für die Entsor­gung des Schildes durch die Stadt Wuppertal. Dem Mitar­beiter des Betriebs­hofs sei die Bedeu­tung des Straßen­schildes nicht bewusst gewesen.

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