Zur Situation in der Ukraine : Aufbruch in den Abgrund

Die imperialen Staaten betreten die ukrai­ni­sche Bühne, rasseln mit den Waffen­sys­temen und veran­stalten Krisen-Palaver­runden zur Lage auf der Halbinsel Krim. Das bedeutet auch eine Verla­ge­rung des medialen Inter­esses : Weg von den Ereig­nissen in Kiew und der westli­chen Ukraine, hin zu den Wendungen und Recht­fer­ti­gungen der ganz großen Gewalt­täter der Weltge­schichte. Die ohnehin schon unreflek­tierte Bericht­erstat­tung zum Umsturz des Euromaidan droht nun endgültig zur reinen Propa­ganda zu verkommen.

Dabei war die Lage in der Ukraine zuvor schon unüber­sicht­lich und Ursache vieler – auch inner­halb der Linken – erbit­terter Inter­pre­ta­ti­ons­ver­suche dessen, was dort zu geschehen schien. Viele jubelten den Aufstän­di­schen in Kiew und anderen Städten naiv-unkri­tisch zu, andere sahen in den hier verbrei­teten Bildern und Videos überall Nazis. Distan­ziert-kriti­sche Nachfragen nach überfäl­ligen Distan­zie­rungen der angeb­lich so bunten Opposi­tion auf dem Maidan von den gut erkenn­baren Nazis und Natio­na­listen fanden kaum Gehör. Lieber wurde Fragenden eine absurde Nähe zu russisch-imperia­lis­ti­scher Propa­ganda unter­stellt.

Wir waren deshalb dankbar, dass sich für das (lesens­werte) „Lower Class Magazine” Schrei­bende auf den Weg nach Kiew machten, um selber nachzu­sehen, was dort passiert. Ihr Bericht liegt nun vor, wir dokumen­tieren ihn gerne auf unserer Seite. Er bestä­tigt uns in unseren Vorbe­halten gegen­über der natio­na­lis­ti­schen Ausrich­tung der opposi­tio­nellen Bewegung in der Ukraine und den gleich­zei­tigen Natio­na­lismen weiter Teile des russi­schen Bevöl­ke­rungs­teils.

Es bleibt die Hoffnung, dass sich nicht unbemerkt ein faschsti­sches Regime etabliert, während alle auf eine echte oder vermeint­liche Kriegs­ge­fahr starren.

Aufbruch in den Abgrund
Einschät­zungen und Eindrücke aus der Ukraine
von Peter Schaber-Nack – Lower Class Magazine vom 27.02.2014

Wir waren ja nur kurz da, aber haben viel erlebt. Viele Gespräche geführt, mit Befür­wor­tern und Gegnern des Aufstandes, der vergan­genes Wochen­ende den vorma­ligen ukrai­ni­schen Präsi­denten Viktor Januko­witsch zur Flucht veran­lasste. Wir haben viele Nazis und Faschisten getroffen, viele „normale Leute“ auf beiden Seiten, einige Wissen­schaftler und Intel­lek­tu­elle und sehr wenige (aber immerhin) Linke. Was sich ergeben hat, kann man hier lesen.

Die Bewegung auf der Straße wird von Rechten und Faschisten dominiert. Daran besteht unserer Auffas­sung nach kein Zweifel. Die Symbolik des deutschen Faschismus und der ukrai­ni­schen NS-Kolla­bo­ra­teure ist überall, wirklich überall zu sehen. Die schwarz-rote Fahne der Ukrai­ni­schen Aufstän­di­schen Armee und der Organi­sa­tion Ukrai­ni­scher Natio­na­listen, die während des Zweiten Weltkriegs Zehntau­sende Polen und Juden ermor­deten und an der Seite Hitler-Deutsch­lands gegen die Sowjet­union kämpften, ist die – nach verschie­denen Formen ukrai­ni­scher Natio­nal­fahnen in blau-gelb – die präsen­teste auf dem Platz. Haken­kreuze gibt es immer wieder mal an den Wänden, sehr promi­nent ist das Kelten­kreuz, die Wolfs­angel, SS-Runen. Schilder und Embleme mit Schwarzen Sonnen finden sich ebenso wie die Symbole von Combat 14 oder Parolen aus der Zeit der ukrai­ni­schen Kolla­bo­ra­tion mit dem deutschen Faschismus.

Wer sind die Faschisten ? Die Partei Swoboda („Freiheit“) von Oleg Tjagnibok ist sehr präsent. Sie hat sich in der Übergangs­re­gie­rung einfluss­reiche Posten gesichert, unter anderem den, des General­staats­an­walts. Sie vertritt ein sozial-demago­gi­sches Programm, in dem sie Verspre­chungen von höheren Löhnen, Priva­ti­sie­rungs­stopps und Kontrolle über den Banken­sektor festschreibt, das aber auch zahlreiche offen rassis­ti­sche, milita­ris­ti­sche und in Richtung Autori­ta­rismus weisende Passagen enthält. Im wesent­li­chen geht es ihr in ihrem Programm um ein ethnisch „rein ukrai­ni­sches“ Land, das eine selbstän­dige und starke Nation werden soll.

Über ihre Vorschläge zur Bekämp­fung von Auslän­der­kri­mi­na­lität und zur Verein­fa­chung von Abschie­bungen etc. müssen wir uns nicht auslassen, es reicht der Hinweis, dass sie die ukrai­ni­sche Bündnis­partei der NPD ist. Inter­es­sant ist vielleicht, wie wir heute auf einer Presse­kon­fe­renz des Swoboda-Führers Tjagnibok vor dem Parla­ment gehört haben, dass sie abermals eine Verfas­sungs­än­de­rung vorschlägt, die wiederum erneut dem Präsi­denten Macht über das Parla­ment geben soll (genau dagegen sollte ja der Maidan angeb­lich kämpfen). Ach ja : Im übrigen fordert sie die Wieder­her­stel­lung der Ukraine als Atommacht unter Mithilfe der USA. Den EU-Beitritt schlägt auch sie – zähne­knir­schend – vor, denn, so Tjagnibok heute : „Die andere Möglich­keit wäre Russland.“ Sie hatte 16 tote Mitglieder zu verzeichnen, die bei den Kämpfen vergan­gene Woche umkamen, was sie auch publi­kums­wirksam zu nutzen versteht.

In dem Gebiet um den Maidan selbst sind andere Gruppen präsenter, nämlich die, die als „Rechter Sektor“ bekannt geworden sind (obwohl der „offizi­elle“ Rechte Sektor nicht alle Nazi- und Faschis­ten­gruppen jenseits von Swoboda beinhaltet, denn es gibt davon sehr viele und einige sind noch aggres­siver und noch nazis­ti­scher als der „Rechte Sektor“ – erzählt hat man uns hier vor allem von einer Gruppe namens „Bruder­schaft“ und einer, die nach wie vor den Namen Ukrai­ni­sche Aufstän­di­sche Armee führt). Diese rechten Gruppen haben starken Zulauf. Sie unter­halten „Rekru­tie­rungs­büros“ auf den Straßen zum Maidan, bei dem des „Rechten Sektors“ stehen durch­gängig, ob du morgens oder abends vorbei­läufst, zwischen zehn und dreißig Leute an, die darauf warten, zum befehls­ha­benden Komman­danten durch­ge­lassen zu werden, um beitreten zu können. Wichtig ist aber, auch nicht zu vergessen, warum diese – meist jungen – Menschen dem Rechten Sektor beitreten wollen. Fragt man sie, ist die Antwort immer (!) die : „Die Parteien, egal ob Regie­rung oder Opposi­tion betrügen uns, der Rechter Sektor sorgt dafür, dass genug Druck da ist, damit sie das nicht können.“ Und : „Der Rechte Sektor hat am mutigsten gekämpft, immer ganz vorne. Die anderen reden nur, aber sie tun nichts.“ Man kann mit Sicher­heit nicht sagen, dass alle, die dem Rechten Sektor beitreten, gestan­dene Antise­miten und Rassisten sind. Das aller­dings macht das Phänomen nicht ungefähr­li­cher, denn die Führungen der Organi­sa­tionen und deren politi­sche Ziele sind deshalb nicht weniger faschis­tisch.

Es stimmt, dass es Übergriffe – vor allem gegen Kommu­nisten, Mitglieder der früheren Regie­rungs­partei „Partei der Regionen“ oder sogenannte Titushki – gibt. Einen davon, die faschis­ti­sche Stürmung und Beset­zung der Zentrale der Kommu­nis­ti­schen Partei, konnten wir selbst verifi­zieren, über andere haben uns Mitglieder einer unabhän­gigen Kommu­nis­ti­schen Gruppe – Borotba (Kampf) – und Vertreter der Kommu­nis­ti­schen Partei erzählt. Es gibt massive Drohungen, auch gegen die Familien von Linken, Angriffe auf Privat­woh­nungen linker Funktio­näre und Einrich­tungen der kommu­nis­ti­schen Partei. Überein­stim­mend haben uns beide Gruppen erzählt, dass es eine Todes­liste gebe. Dass die ernst genommen wird, meinen auch beide, vieles spricht dafür.

Borotba hat seine politi­sche Leitung von Kiew in den Südosten verlegt, in der Haupt­stadt sei man nur noch „im Unter­grund“ tätig, alles andere sei zu gefähr­lich. Borotba selbst hat zu Beginn der Proteste auch versucht am Maidan ein Zelt aufzu­stellen und einen linken Protest gegen Januko­witsch zu organi­sieren, das Zelt ist zerstört, die Aktivisten kranken­haus­reif geschlagen worden.

Nachdem wir nun von den Faschisten gespro­chen haben, wollen wir von denen nicht schweigen, die keine Nazis sind. Als die neue De-Facto-Regie­rung am Mittwoch auf der Bühne sprach, waren hier Zehntau­sende Menschen, selbst­ver­ständ­lich sind die nicht alle Hitler-Jungen oder -Mädels. Die Motive des durch­schnitt­li­chen Demons­tranten gleichen einander. In der Hit-List der meist­ge­nannten Gründe, wer hätte es gedacht : „Wir wollten Januko­witsch weg haben.“ Stimmt nur ein Zehntel dessen, was die Leute erzählt haben – und davon gehen wir aus, wir haben auch mit Ökonomen gespro­chen, mit Journa­listen, und die Medien bringen ja jede Menge Indizien dafür, dass es stimmt, dann muss dieser Typ ein wahrhafter Künstler im Akkumu­lieren von Reich­tü­mern sein. Man geht von zweistel­ligen Milli­ar­den­be­trägen aus, die er sich einge­steckt haben soll. Sein Sohn wurde inner­halb von zwei Jahren vom Teller­wä­scher (naja, nicht ganz… ) zum Milli­ardär, von einem Journa­listen danach gefragt, wie das gehe, sagte der : „Er arbeitet eben.“

Die anderen, die arbeiten, verdienen 3000, 4000 Grivna, umgerechnet irgendwas um die 250 bis 350 Euro oder so, monat­lich. Wir haben den Selbst­test gemacht : Gehst du zum Billa (öster­rei­chi­scher Super­markt auf der Kreschatik-Straße, nur als Anmer­kung für die Piefke) und kaufst dir ein Päckcken Milch, ein Stück Käse, eine Wurst, ein Joghurt und Billig­brot, dann kommst du auf 8 Euro. Rechnet euch aus, wie man über die Runden kommt.

Januko­witsch indes hatte nicht nur dutzende Luxus­autos, Milli­ar­den­ver­mögen im Ausland, eine ukrai­ni­sche Never­land-Ranch, sondern auch einen Zoo. In dem soll es exoti­sche Viecher gegeben haben, deren Fütte­rung Zehntau­sende Euro im Monat kostet. Kein Wunder, dass die Ukrainer, die mit ihrer Handvoll Grivna an der Billa-Kasse stehen, da nicht allzu erfreut drüber sind.

Speziell ist unserer Einschät­zung nach, dass der Kreis, unter dem das erbeu­tete Raubgut verteilt wurde, extrem klein ist. Soll heißen : Auch die Stützen der Macht, die Bullen, die Soldaten usw. sind extrem unter­fi­nan­ziert, und zwar nicht nur in den einfa­chen Rängen. Eine Frau hat uns erzählt, dass ihr Bruder hochran­giger IT-Spezia­list und Offizier in der Armee ist und der verdient umgerechnet 600 Euro im Monat. Vielleicht mit ein Grund, warum der Sturz nicht allzu lang dauerte.

Nun ist Januko­witsch ein Arsch­loch. Aber er ist sicher nicht das einzige. Das Spiel, das in dem Land gespielt wird, ist einfach dieses : Verschie­dene Oligar­chen-Gruppen konkur­rieren um das größte Stück vom Kuchen. Julia Timoschenko oder Petro Poroschenko sind nicht anders als Januko­witsch. Timoschenko ist Januko­witsch im Blut-und-Boden-Look, mehr nicht.

Das aller­dings wissen – im Unter­schied zu den deutschen Politi­kern und Medien­an­stalten – auch die Leute vor Ort. In zwei Tagen konnten wir – außer an den jewei­ligen Wahlständen der betref­fenden Parteien keine Person treffen, die irgend­einen dieser Selbst­be­rei­che­rungs­profis als reale Alter­na­tive angesehen hätte

Neben Januko­witsch und Korrup­tion finden sich bei den „normalen“ Demons­tranten viele Protest­gründe, die eigent­lich eher „linke“ Themen­be­stände sind : Armut und Polizei­ge­walt spielen eine Rolle, auch das Fehlen von demokra­ti­schen Parti­zi­pa­ti­ons­mög­lich­keiten.

Aller­dings : Diese eigent­lich „linken“ Inhalte sind völlig überformt durch den allge­gen­wär­tigen Natio­na­lismus. Damit meinen wir nicht die Nazis und Faschisten, die ganz normalen Demons­tranten haben – erklärbar aus der ukrai­ni­schen Geschichte – ein völlig überstei­gertes Natio­nal­ge­fühl. Perma­nent schreien sie „Slava Ukraini“, Ruhm der Ukraine. Die Floskel ist mittler­weile zur Grußformen geworden. Du sagst auf dem Platz nicht einfach „Hallo“, sondern „Ruhm der Ukraine“ und der andere antwortet entweder auch „Ruhm der Ukraine“ oder „Ruhm den Helden“, in Anspie­lung auf die Toten der vergan­genen Wochen. Es hat etwas massen­psy­cho­ti­sches, wenn Tausende sich das vor der Bühne gegen­seitig im Chor zubrüllen. Ebenso bei „normalen“ Demons­tranten präsent sind antirus­si­sche Ressen­ti­ments á la „Die Russen sind sind so und so“. Dazu kommt, dass auch dieje­nigen, die sich selbst nicht aktiv in die Tradi­tion der ukrai­ni­schen Hitler-Kolla­bo­ra­teure stellen, kein Problem damit haben, dass das anderen tun. Stepan Bandera ist auch für dieje­nigen ein „Held“, die jetzt nicht unmit­telbar überlegen, Polen oder Juden jagen zu gehen. Es gibt schlichtweg überhaupt kein Problem­be­wusst­sein über diese Kolla­bo­ra­ti­ons­ge­schichte, kriti­sche Distanz existiert nicht (zumin­dest soweit wir das auf dem Maidan beobachten konnten). Weil diese Elementen rechten, natio­na­lis­ti­schen Denkens soweit verbreitet sind, können die Nazis sich als „unsere Jungs an der Front“ vermarkten. (Der Natio­na­lismus funktio­niert übrigens für beide Seiten, denn die einen korrupten Klepto­manen mobili­sieren die, die sie bestehlen, für die „ukrai­ni­sche Nation“, die anderen ihre Klientel mittels russi­schem Natio­nal­ge­fühl.)

Natür­lich gibt es auch in der Ukraine eine Linke. Aller­dings nicht auf dem Maidan. Wie oben gesagt : Du kannst dort kein linkes Zelt hin bauen, weil dir die Selbst­schutz­kräfte des Maidan selbiges wohl relativ schnell dahin rammen würden, wo die Sonne nicht scheint. Es gibt eine Organi­sa­tion namens Avtonomia, die ist anarchis­tisch und ihre Prokla­ma­tionen sind auf Indymedia hin und wieder in Überset­zung erschienen. Wir hatten Email-Kontakt, man hat uns wieder­holt verspro­chen, wir würden einen Gesprächs­partner bekommen, geklappt hat das leider nicht, aus welchen Gründen auch immer. Sehr bekannt dürfte die Gruppe in der Normal­be­völ­ke­rung nicht sein, wir haben ein paar Mal nach ihr gefragt, Reaktion null.

Dann gibt es die Kommu­nis­ti­sche Partei. Eigent­lich sollte sie 150 000 Mitglieder haben, viel zu spüren bekommt man von ihnen nicht. Im Moment vertreten sie die Position, dass sie immer schon gesagt hätten, dass Januko­witsch ein Dieb ist und sie nur mit seiner Partei gestimmt haben, wenn es „zum Wohle der Bevöl­ke­rung war“. Das ist unserer Ansicht nach eine verzerrte Sicht­weise. Alles in allem wollen wir zur KP nicht viel sagen. Zwei Dinge sollten reichen : Unser Ding wäre das nicht, und wenn die Partei nicht selbst­kri­ti­scher und wesent­lich undog­ma­ti­scher wird, und mit ihrem geradezu grotesken Glauben in den Staat und dem entspre­chenden Legalismus bricht, wird das wohl nichts. Insge­samt hat sie viel mit der hiesigen Links­partei gemein, sie ist eine Art parla­men­ta­ri­scher Tradi­ti­ons­wahl­ver­band, dem es am liebsten ist, wenn alles seinen gemäch­li­chen, normalen Gang geht. Der erste Kampf, den sie führen wird müssen, ist der gegen die Überal­te­rung. Denn die junge Genera­tion orien­tiert sich leider nicht nach links, und das hat auch Gründe, die in der Politik dieser Partei liegen. Das Zweite aber : Berei­chert hat sich die Partei selbst offenbar nicht, und im Moment steht sie im Fokus der Angriffe der Faschisten, deshalb verdient sie Solida­rität, wenn auch nicht politi­sche Zustim­mung.

Außerdem haben wir jemanden von Borotba getroffen, einer Gruppe von Kommu­nisten, die sich von der KP abgespalten haben, als diese begann, sich an die Partei der Regionen anzubie­dern. Borotba ist klein aber fein. Diffe­ren­zierte Analysen, ein Gespür dafür, dass es manchmal besser ist, eigen­ständig zu arbeiten, als sich an mächtige Gruppen anzubinden und mehr Aktivismus als bei der ungefähr 150mal so großen KP. Borotba hat sich gegen Januko­witsch und gegen die Opposi­tion ausge­spro­chen und am Anfang auch noch versucht, den Protest zu politi­sieren. Im Moment arbeiten sie an der Schaf­fung antifa­schis­ti­scher Wider­stands­gruppen, nun, da Januko­witsch weg ist, so ihre Ansicht, sei der Haupt­kampf der gegen die Faschisten. Inter­es­sant an ihnen ist, dass sie – ohne sich auf eine Seite zu stellen – die geostra­te­gi­sche Macht­po­litik sowohl Russlands wie auch der westli­chen Imperia­listen kriti­sieren.

Neben den lokalen Playern gibt´s spielen im Kampf um die Ukraine natür­lich auch die Inter­essen der USA, der EU und Russlands eine Rolle. Die USA finan­zieren und unter­stützen die prowest­liche Bewegung in der Ukraine seit langem massiv, man erinnere sich nur an die Episode „Organ­gene Revolu­tion“, in den Haupt­rollen Julia Timoschenko und Viktor Juscht­schenko und an deren Ausgang. Die Europäi­sche Union – allen voran Deutsch­land – haben in der Ukraine bewiesen, dass sie zuneh­mend selbst­be­wusster werden, und ausge­testet, wie weit sie – auch ihrer eignen öffent­li­chen Meinung gegen­über, beim Regime Change gehen können. Insge­samt nehmen sie bewusst einen Bürger­krieg in Kauf, der nicht mehr ein bloßes Gedan­ken­spiel ist, sondern eine tatsäch­liche Bedro­hung.

Was macht Russland, ist im Moment die große Frage. Selbst ein imperia­lis­ti­sches Land wie seine westli­chen Wider­sa­cher, kann es sich nicht ewig leisten, von letzteren aus seinen Einfluss­sphären vertrieben und einge­kreist zu werden. Im Moment sieht es so aus, als würden Truppen an der Westgrenze aufge­zogen, ob das eine Macht­de­mons­tra­tion, ein Wink mit dem Zaunpfahl an die Kiewer Regie­rung, die Faschisten in Zaum zu halten, oder die Vorbe­rei­tung eines wohl folgen­rei­chen Eingrei­fens ist, ist unklar. Die USA haben ebenfalls den Ton verschärft und Putin vor „schweren Fehlern“ gewarnt. Und auch Klitschko darf öffent­lich­keits­wirksam in der BILD Putin „warnen“. Die Zuspit­zung des imperia­lis­ti­schen Konflikts bedeutet jeden­falls für die Ukraine nichts gutes.

Insge­samt kann man sagen : Gut sieht´s nicht aus, nach dem eupho­ri­schen Aufbruch vom Maidan, das wird auch vielen Demons­tranten bewusst. Staats­bank­rott, Grivna auf dem Allzeit­tief, Faschisten als nicht mehr wegzu­den­kender politi­scher Faktor, einander um die Beute zankende Großmächte. Klar ist : Vorbei ist die Sache lange nicht.

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Hier noch eine Fundsache, die dokumen­tiert, wie die derzei­tigen Macht­ver­hält­nisse in der Ukraine aussehen : Der Nazi Alexander Muzychko mit einem Staats­an­walt…

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Wuppertal ist antifaschistisch !

ACHTUNG ! Siehe Update mit allen aktuellen Infos !

Kein Naziauf­marsch am 21. September 2013 in Wuppertal !

Unter dem Motto „Es ist immer ein Angriff auf uns  alle – Gegen linken Terror und antideut­sche Zustände” kündigen Nazis am  Samstag, den 21. September 2013 – am Tag vor der Bundes­tags­wahl – eine  „natio­nale Großde­mons­tra­tion” in Wuppertal an.

Die  Nazi-Demo in Wuppertal, wie auch der geplante Aufmarsch am 31.8.2013  gegen die „Organi­sa­ti­ons­ver­bote” in Dortmund, dient der militanten  Nazi-Szene zur (bundes­weiten) Etablie­rung ihrer Doppel­stra­tegie :  einer­seits offen natio­nal­so­zia­lis­tisch und gewalt­tätig zu agieren und  gleich­zeitig offensiv die Privi­le­gien einer legalen Partei auszu­nutzen.  Letzt­lich laufen so auch die Forde­rungen eines NPD-Verbotes ins Leere,  weil eine Nachfol­ge­partei für die NPD schon längst gegründet ist, die  sich offen­sicht­lich und bis lang ungestört aus den Kadern der verbo­tenen  Nazika­me­rad­schaften rekru­tieren kann.

Anmelder  des Naziauf­mar­sches, zu dem die Nazis 300 Teilnehmer*innen erwarten,  ist der „Die Rechte”-Parteivorsitzende Chris­tian Worch aus Parchim.  Hinter der Demo stecken die Wupper­taler Nazis der Kamerad­schaft  „Natio­nale Sozia­listen Wuppertal”, die für eine Vielzahl von schwersten  Straf­taten (Cinemaxx-Überfall , Flohmarkt-Überfall, Schän­dungen von   Denkmä­lern, Messer­ste­che­reien und schwere Körper­ver­let­zungen etc.)  verant­wort­lich sind. Die Wupper­taler Nazis organi­sieren sich bekannt­lich  seit Ende Januar 2013 in einem Kreis­ver­band der Neonazi-Partei „Die Rechte”.

Auch 2013 wollen die Nazis wieder zum Autonomen Zentrum marschieren, was ihnen voraus­sicht­lich auch dieses Jahr nicht vergönnt sein wird. Ein  Koope­ra­ti­ons­ge­spräch mit der Polizei hat bis jetzt noch nicht statt­ge­funden. Als Redner werden Chris­tian Worch, Lukas Bals vom  Wupper­taler Kreis­ver­band (früher „Natio­nale Sozia­listen Wuppertal”), ein „partei­freier Aktivist” aus der Pfalz, ein „Aktivist” aus Dortmund,  Marvin Koch („Freie Kräfte Neuruppin”), Philippe Eglin aus der Schweiz,  André Plum vom Aachener Kreis­ver­band (früher „Kamerad­schaft Aachener Land”) sowie Manfred Breid­bach, der stell­ver­tre­tende DR-Kreis­vor­sit­zende in Düsseldorf/Mettmann (früher NPD Düsseldorf/Mettmann), angekün­digt. Breid­bach fiel in den letzten Jahren wieder­holt wegen seiner im  NS-Jargon gehal­tenen Reden auf.

Jetzt haben die beken­nenden Natio­nal­so­zia­listen in ihrer Demo-Mobili­sie­rung  einen gravie­renden Fehler gemacht : Auf ihrer „Partei­seite” bei Facebook und auf ihrer Partei-Mobili­sie­rung für die Nazi-Demons­tra­tion am 21.September haben sie am 16.Juni 2013 für einige Stunden einen sogenannten Mobi-Track mit einem Musik­stück des Nazirap­pers „Makss  Damage” alias Julian Fritsch gepostet. Hinter­grund­bild des Videos ist das offizi­elle Demo-Plakat. Dieses zeichnet Rene Heuke mit der Adresse Vohwinkler Str. 27 in 42329 Wuppertal verant­wort­lich. In dem extra für die Wupper­taler Demo-Mobili­sie­rung produ­zierten Stück „Tränen­gas­du­sche”  wird ganz unver­hohlen zu Mord an politi­schen Gegner*innen und zur Schlacht in Wuppertal aufge­rufen.

Um deutlich zu machen, mit was für einer tiefgrei­fenden Menschen­ver­ach­tung und offen­siver Bezug­nahme auf NS-Ideologie wir es bei Julian Fritsch  und seinen Wupper­taler Fans zu tun haben, werden wir nun einige Passagen des wider­li­chen Musik­stü­ckes „Tränen­gas­du­sche“ zitieren. Zitate aus dem Musik­stück :

Zu uns kommen nur Motivierte ! Wir bilden die Infan­terie und ihr kriegt nur den durch­ge­fickten Abfall von uns wie Marie. Achtung, wir kommen zu euch, jetzt wird es richtig deutsch, jetzt wird das K, ich meine das AZ, wieder richtig voll. Wir kommen in Unter­zahl ins bunte Wuppertal. Unter der Tränen­gas­du­sche werden Wunder wahr.“ (…) “Fickt euch ! Ihr seid zum Glück bald tot, dann übernehmen wir das Ruder.“ (…) “Wir machen weiter und weiter, bis euer Blut in unsere Wupper fließt.“ (…) “Es ist immer ein Angriff auf uns alle ! Kommt alle zur Schlacht von Wuppertal. Sommer 2013!“

Nach wenigen Stunden haben die Nazis aufgrund „recht­li­cher Bedenken” den Mobi-Track von Makss Damage wieder von der partei­of­fi­zi­ellen Demo-Mobili­sie­rungs­seite entfernt. Die ursprüng­liche Fassung kursiert aber weiterhin bei Youtube mit ausdrück­li­chem Hinweis auf die Mobili­sie­rungs­seite der Nazi-Demons­tra­tion.

Ein weiterer Beleg für den von der Nazi-Partei „Die Rechte” geplanten Einsatz des Mobi-Tracks für Demo-Mobili­sie­rung ist das Posting des KV Düssel­dorf „Die Rechte” vom 17.6.2013. Er zeigt auch, welche Bedeu­tung der Songtitel „Tränen­gas­du­sche” für beken­nende Natio­nal­so­zia­listen hat : unter der Überschrift „Eine Dusche für Claudia [Roth]” heißt es : „Und es ist nun wirklich der Lacher schlechthin, daß sie, als beken­nende Anhän­gerin der Holocaust­re­li­gion, in eine türki­sche Gasdu­sche rennt. Und das ganze keine 24 Stunden nach der Veröf­fent­li­chung des neuen Hits „Tränen­gas­du­sche” für die bald statt­fin­dende Großde­mons­tra­tion unserer Partei in Wuppertal.”

Makss Damage selbst bleibt weiter offensiv, auch wenn Youtube zeitweise seine Kanäle abschaltet. „Jewtube” hat den „Rechts­rap­sup­port-Kanal” gesperrt. Somit sind ALLE, auf diesem Kanal hochge­la­denen Lieder gelöscht worden. Wenn die Juden glauben, dass ihnen das hilft, haben sie sich fürch­ter­lich geschnitten. Diese Zensur zeigt nur ihre Verzwei­fe­lung. Sie wissen sich nicht mehr anders zu  helfen. Ein gutes Zeichen für Rechtsrap und seine tausenden Hörer in Deutsch­land. Ich bin motivierter DENN JE, zum Unter­gang dieses Besatz­er­staates beizu­tragen ! Als Reaktion auf diesen Unter­drü­ckungsakt, erwarten Euch in den nächsten Wochen weitere Lieder, mit denen sich die  Affen rumplagen dürfen. Viel Feind, viel Ehr ! Sieg!!”

Makss  Damage war früher übrigens auf der „linken Seite“ musika­lisch aktiv. Seine Texte waren damals schon wider­wärtig : In dem Song „Arabi­sches Geld“ hieß es 2010 : „Ich leite Giftgas in Siedlungen, die jüdisch sind“. Im Februar 2011 wurde er von Axel Reitz und Kevin Koch für die Naziszene „angeworben“ und wechselte die Seite.

Reaktionen

Das  Bündnis „Kein Platz für Nazis” verfasste in Reaktion auf die Mordauf­rufe einen offenen Brief an die Wupper­taler Polizei­prä­si­dentin Birgitta Rader­ma­cher, der das Verbot der Nazi-Demons­tra­tion fordert. Mittler­weile hat die Polizei den Fall zur recht­li­chen Prüfung an die Staats­an­walt­schaft abgegeben. Diese soll prüfen, ob und inwie­fern der Liedtext mit der Demo-Anmel­dung in Zusam­men­hang steht und den Straf­tat­be­stand der Volks­ver­het­zung erfüllt. Auch die Polizei­prä­si­dentin Rader­ma­cher musste jetzt öffent­lich reagieren : „Gemeinsam mit Rechts- und Versamm­lungs­ex­perten werden wir jede Möglich­keit eines Verbotes intensiv prüfen und alle recht­li­chen Wege ausschöpfen. Darauf können sich die Wupper­ta­le­rinnen und Wupper­taler verlassen”.

Diesen vollmun­digen Erklä­rungen sind aber bis zum 12. August 2013 keine Taten gefolgt. Die „Prüfer“ und die Polizei­prä­si­dentin sind wohl in den Sommer­ur­laub gegangen…

Aktions­kon­zept 2013

Da nicht davon ausge­gangen werden kann, dass der Nazi-Aufmarsch letzt­end­lich verboten wird, haben die ersten Bündnis-Treffen bereits statt­ge­funden und die Vorbe­rei­tungen sind in vollem Gange. Wie  2011 wird der Start­punkt der Nazi-Demo und die Route wahrschein­lich  erst kurz vorher bekannt gegeben. Das bedeutet für alle antifa­schis­ti­schen Kräfte, dass wir wieder sehr mobil sein müssen…

Das „Wupper­taler Bündnis gegen Nazis“, an dem Antifa-Struk­turen betei­ligt sind, veran­staltet ab 10:00 Uhr eine Kundge­bung vor den City-Arkaden und will von dort aus gemeinsam und in großen Gruppen zum Aufmarsch der Nazis ziehen. Ebenso wurden weitere Kundge­bungs­punkte in der Stadt angemeldet.

Zudem schlagen wir wieder - wie 2011 - ein Anrei­se­kon­zept zur Verstop­fung der Anrei­se­wege der Nazis vor. Dieses beinhaltet eine gemein­same organi­sierte Anreise unter dem Motto „Der Weg ist das Ziel“  aus verschie­denen Städten mit dem Zug ab ca. 11:00 Uhr sowie eine  Punkt­lan­dung 5 vor 12 möglichst am Auftaktort der Nazis.

Genaueres,  sowie weitere Aktionen, wollen wir mit euch auf den Info- und  Mobili­sie­rungs-Veran­stal­tungen in möglichst vielen Städten bespre­chen. Wenn IHR Inter­esse an einer Veran­stal­tung habt, schreibt einfach an das Antifa­cafe !
antifacafe-wuppertal<ät>riseup<dot>net

Twitter zum 21.09.: https://​twitter​.com/​N​a​z​i​s​weg

Hinter­grund : Die Nazi-Szene in Wuppertal

(Quelle : http://​keinbier​fu​er​nazis​.noblogs​.org/)

Seit knapp einem Jahr vollzieht sich – von der staat­li­chen Macht ungestört – in der bundes­weiten Nazi-Szene eine bemer­kens­werte Trans­for­ma­tion : die Verwand­lung von verbo­tenen Nazi-Kamerad­schaften in eine legale Partei. Nachdem Ende August 2012 die Nazi-Kamerad­schaften „Natio­naler Wider­stand  Dortmund“, „Kamerad­schaft Hamm“ und die „Kamerad­schaft Aachener Land“  vom Innen­mi­nis­te­rium NRW verboten wurden, sammelten sich die betrof­fenen  Nazis umgehend in der kurz zuvor von Chris­tian Worch gegrün­deten  Kleinst-Partei „Die Rechte“.

Auch ohne Verbot änderten die „Natio­nalen Sozia­listen Wuppertal“ ihr Label und gründeten am 30. Januar 2013 einen eigenen Kreis­ver­band der „Rechten“. Zum Vorsit­zenden wurde der  aus Hamm zugezo­gene Mattias Drewer gewählt, der derzeit eine Haftstrafe wegen verschie­dener Körper­ver­let­zungs­de­likte absitzt.

2012/2013 gab es für die Wupper­taler Nazis einschnei­dende Verän­de­rungen : Um Wuppertal herum wurden die befreun­deten Kamerad­schaften in Aachen, Köln, Hamm und Dortmund verboten. Im März 2012 wurden wichtige Kader aus dem Rhein­land und aus dem „Aktions­büro Mittel­rhein“ wegen krimi­neller Verei­ni­gung inhaf­tiert, unter ihnen der Nazi-Kader Axel Reitz, Paul Breuer und Sven Skoda. Im April 2012 folgte dann die Razzia gegen den „Freun­des­kreis Rade“  wegen krimi­neller Verei­nigung (Sascha Hütt, Marius Dörschel, Jack  Schmitz, Jonas Ronsdorf etc.). Am 23. August 2012 erfolgte dann das Verbot der Kamerad­schaften in Dortmund, Aachen und Hamm.

Die einzige größere Nazi-Struktur, die von der Polizei verschont blieb, war die Kamerad­schaft „Natio­nale Sozia­listen Wuppertal“. Offen­sicht­lich haben die Wupper­taler Nazis, trotz zum Teil schwerster Straf­taten, (Cinemaxx-Überfall, übrigens Teil des 129§ Verfah­rens in Koblenz, Flohmarkt-Überfall etc.)  Schutz­engel beim Wupper­taler Staats­schutz und bei der  Staats­an­walt­schaft, die eine straf­recht­liche Verfol­gung verhin­dern. Oder ist es – wie vor 20 Jahren in Solingen – wieder der massive Einsatz von V-Leuten, der staat­li­ches Vorgehen unmög­lich macht ?

Eine  weitere gefähr­liche Entwick­lung zeich­nete sich im Sommer 2012 ab. Ein Teil der Nazis (Mike Dasberg, Michele Dasberg, Nikolaus Schemann, Chris­tian Dahlhoff) hatten sich 2012 „Rocker-Klamotten“ besorgt und sich der „Bruder­schaft Rhein­land“, um den rechten Solinger Tätowierer Ingo Grau, angeschlossen. Die Mitglieder dieser „Bruder­schaft“ waren auf  zahlrei­chen Rocker-Partys eines Heili­gen­hau­sener MC präsent und halfen hinter der Theke aus. Noch Ende 2012 fungierte die „Bruder­schaft Rhein­land“ als offizi­eller Supporter. 2013 wurde die Inter­net­seite der „Bruder­schaft Rhein­land“ plötz­lich abgeschaltet und die Website des MCs „überar­beitet“. Über Nacht verschwanden so Hinweise auf die „Bruder­schaft Rhein­land“. Ein paar Monate später wurde aber der am Cinemaxx-Überfall betei­ligte Nazi Nikolaus Schemann mit Ehren in den Club aufge­nommen.

Die  Wupper­taler Nazi-Szene umfasst etwa 30 Personen, die guten Kontakt zum  „Freun­des­kreis Rade“ und zu Dortmunder und Aachener Nazi-Struk­turen pflegen. Die Fluktua­tion ist bei den Nazis auch dieses Jahr erfreu­lich hoch, einige Nazis (Tim Schulze-Oben, Norman Laschinski, Jack Schmitz, Nikolaus Schemann, Chris­tian Koppel­mann, Patrick Prass, Fabian Mayer, Jennie Heuke und Mark Fiedler) tauchen aktuell nicht mehr bei Aufmär­schen auf, auch die Nazi-Kaderin Marie Leder hat sich von den Wupper­taler Nazistruk­turen abgewandt.

Auf der anderen Seite schloss sich 2012 der „Antifa“ und ehema­lige Anhänger des FC Remscheid, Lukas Bals, den Nazis an. Bals ist mehrfach vorbe­straft und musste eine Haftstrafe absitzen, vermut­lich wegen Betrugs und nicht bezahlter Rechnungen. Der aus Remscheid stammende Bals war insbe­son­dere in jungen Antifa-Gruppen in NRW unter­wegs. Bals, der alle paar Monate die Stadt und die politi­sche Identität wechselte, vertrat je nach Stimmung und Situa­tion antideut­sche oder antiim­pe­ria­list­sche Positionen. Als „Nazi“ hetzt er jetzt auf Mobili­sie­rungs-Videos der Nazi-Partei gegen „Überfrem­dung“ und „krimi­nelle Antifa-Banden“. Das Überlaufen von Bals wurde übrigens noch von Marie Leder einge­fä­delt.
Jetzt spielt Bals den führenden Partei-Aktivisten, hat aber den (recht­li­chen)  Unter­schied zwischen legaler Partei und militanter Nazi-Kamerad­schaft noch nicht begriffen. Insbe­son­dere der peinliche und die Gesamt-Partei gefähr­dende Fehler mit dem Makss Damage  Mobili­sie­rungs-Video geht auf Bals Kappe und könnte seine Partei­kar­riere gefährden. Lukas Bals übernahm wegen Kader­mangel rasch die Führung der Wupper­taler Nazis und rückt auch überra­schend schnell und mühelos sogar in bundes­weite Nazi-Struk­turen auf. Das dürfte den mehrfach vorbe­straften Bals insbe­son­dere für den Verfas­sungs­schutz inter­es­sant machen.

Große Probleme machen den Wupper­taler Nazis auch die auskunfts­freu­digen „Aussteiger*innen“  aus ihren eigenen Reihen. Das Verfahren gegen die krimi­nelle  Verei­ni­gung „Aktions­büro Mittel­rhein“ enthüllte, dass die Nazi-Aktionen 2010 und 2011 in Wuppertal (Cinemaxx-Überfall, Überfall auf den Info-Stand, die Nazi-Demo am 29.1.2011 etc.) Teil einer gemeinsam geplanten Nazi-Offen­sive der regio­nalen Struk­turen waren. Darüber hinaus produ­zierte die lange U-Haft der Nazi-Kader eine Reihe von Ausstei­gern, die zum Teil wichtige Infor­ma­tionen den Behörden preis­gaben und sich jetzt z.T. in Zeug*innenschutzprogrammen des Staates befinden.

Beson­ders gravie­rend für die junge Wupper­taler Nazi-Szene war sicher­lich der Ausstieg ihres politi­schen Idols Axel Reitz. Gefähr­lich wurde aber die Aussage von David Hermann aus dem „AB Mittel­rhein-Verfahren“, der im  Cinemaxx-Prozess die überre­gio­nale Planung des Überfalls bezeugte und zur Verur­tei­lung der Täter beitrug. Als dann schließ­lich bekannt wurde, dass auch Marie Leder ausführ­liche Aussagen beim LKA gemacht hatte, drehten die Nazis durch : sie „rotteten“ sich vor Leders neuer Wohnung  zusammen, um sie von ihrer Aussage vor Gericht abzubringen, Kevin Koch machte am Telefon Morddro­hungen und Lukas Bals drohte mit ihrer  Verge­wal­ti­gung.

Nazis wollen in Wuppertal in die Offen­sive gehen

Dennoch wollen die Wupper­taler Nazis, indem sie den Wahlkampf-Abschluss von „die Rechte“ organi­sieren, ihre Bedeu­tung überre­gional stärken und in Wuppertal wieder eine, auch vorher groß angekün­digte  Offen­sive starten. Die Dortmunder Nazis unter­stützen die Wupper­taler  seit geraumer Zeit perso­nell, sowie mit einem Lautspre­cher­wagen bei vielen ihrer Aktionen. Ob Worch, die Entschei­dung Wuppertal für die gesamte Nazi-Organi­sa­tion so hoch zu hängen, immer noch gutheißt, ist, in Anbetracht des beschrie­benen Dilet­tan­tismus der Wupper­taler Kader, fraglich. Dazu kommt, dass die Wupper­taler Nazis inhalt­lich schwach  sind.

In Wuppertal gibt es nur zwei Themen, die die Wupper­taler Nazis inter­es­sieren : die angeb­liche Gewalt durch Linke und „Ausländer“ und die Verherr­li­chung des Natio­nal­so­zia­lismus. Beim zweiten Thema sind die  Nazis so ahnungslos, dass es verwun­dert, dass die Wupper­taler Nazi-Kader überhaupt überre­gional „mitspielen“ dürfen : Sie erscheinen bei allen NS-verherr­li­chenden Nazidemos bundes­weit, haben aber keinerlei Kenntnis über die lokale  Geschichte. Ihre politi­sche Schwäche und die mangelnde lokale Veran­ke­rung machte sich beson­ders am 70. Jahrestag der Bombar­die­rung Wuppertal Barmens bemerkbar : während die Wupper­taler Nazis bundes­weit auf alle Demos zur Betraue­rung der deutschen Bomben­opfer pilgern, ist ihnen der Wupper­taler Jahrestag überhaupt nicht bekannt gewesen. Während Antifaschist*innen mit Nazi-Aktionen rechneten und die Fried­höfe und die Innen­stadt beobach­teten, fuhren die Nazis zum „Trauern“ in eine Großraum­disko nach Hagen und wurden in der Nacht des Jahres­tages betrunken und laut grölend von der Polizei aufge­griffen und ins Polizei­prä­sidum verfrachtet.

Dies macht deutlich, dass die Nazis trotz relativ ungebro­chenem Aktio­nismus angeschlagen sind : speziell in Wuppertal kann ein misslun­gener  Nazi-Aufmarsch auch länger­fristig einiges bewirken.

Kein Platz für Nazis

Erfreu­lich ist, dass die langjäh­rigen Bemühungen von Antifaschist*innen der Wupper­taler Öffent­lich­keit die lokalen Nazis mit antifa­schis­ti­schen Bildmappen vorzu­stellen, immer mehr Früchte tragen. Vor Kurzem wurden Nazis von Passant*innen in der Elber­felder Innen­stadt mit dem Ruf „Das sind ja Nazis“ erkannt. Die Nazis verdrückten sich dann in eine Kneipe, von wo sie dann vermut­lich die Polizei riefen… (Quelle:Polizeipresse). Egal, wo die Nazis auftau­chen, auf der Hardt (Parkan­lage in Elber­feld), auf dem Elber­felder Cocktail oder sogar beim Hahner­berger Feuer­wehr­fest im Stadt­teil Cronen­berg werden sie entdeckt und - meist höflich - aufge­for­dert zu verschwinden. Außerdem sind die Nazis in vielen Gaststätten im Stadt­ge­biet nicht erwünscht.

Erstaun­lich ist auch eine weitere Entwick­lung : die Nazis, die ja vorgeben den „BRD”-Staat so sehr hassen, laufen nach jeder Begeg­nung mit Antifaschist*innen und Fussball­fans zur Polizei und stellen Straf­an­zeigen wegen angeb­li­cher Körper­ver­let­zung, Belei­di­gung etc. Dabei  schre­cken sie auch nicht vor Falsch­aus­sagen und falschen  Beschul­di­gungen zurück.

Notwen­dig­keit der Auswei­tung des antifa­schis­ti­schen Kampfes

Wenn wir uns zum Beispiel  die Situa­tion in Griechen­land anschauen, wird deutlich, dass die  brutale Absen­kung des Lebens­stan­dards und die völlige Preka­ri­sie­rung des  Lebens eben nicht nur zu massivem Wider­stand führen, sondern auch zu  einem Erstarken von faschis­ti­schen Parteien und Struk­turen. Dann können wir erahnen, warum Nazi-Struk­turen sich auch in NRW seit Jahren Stück für Stück festigen können.

Das  bedeutet, dass wir neben dem notwen­digen, breit aufge­stellten und militanten antifa­schis­ti­schen Kampf den Nazis die soziale Frage nicht überlassen dürfen. Deshalb  müssen wir uns massiv in die Ausein­an­der­set­zungen gegen beschis­sene  Arbeits­be­din­gungen und schika­nöse, entwür­di­gende Verhält­nisse in den Job-Centern einbringen und im Zweifel diese eben auch anstoßen. Von den alltäg­li­chen Zumutungen sind beson­ders Frauen und vermeint­liche Migrant*innen betroffen. Das wird sehr deutlich, wenn wir schauen, welche Menschen am häufigsten die Drecks­ar­beit machen, welche am häufigsten zum Job-Center müssen, welche sexis­ti­schen und rassis­ti­schen Belei­di­gungen und Übergriffen im Alltag ausge­setzt sind. Gegen die Nazi-Hetze von der angeb­li­chen „Überfrem­dung“ und von der  „Auslän­der­kri­mi­na­lität“ müssen wir Solida­rität unter­ein­ander organi­sieren.

Veran­stal­tungen :

4.September 2013 19:30 AZ Einfüh­rungs­ver­an­stal­tung mit Karl Pfeifer zu Faschis­mus­theo­rien

5. September 2013 19:00 Gemarker Kirche Großes Treffen gegen den Naziauf­marsch

14.September 2013 bundes­weite Demo zur Umver­tei­lung in  Bochum

18. September 2013 19:30 Uhr  Alte Feuer­wache große Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung des Bündnisses zum Naziauf­marsch

20.September 2013  ganztä­giger Aktionstag  „Naziauf­marsch verhin­dern - gegen soziale Ausgren­zung und Rassismus!” ab 10:00 Uhr

Wir starten mit einer Kundge­bung vor dem Jobcenter in Barmen (Schwer­punkt Strom­preise und Hartz IV), es geht weiter mit Besuchen bei Schaeffler wegen den drohenden Massen­ent­las­sungen, bei einem Gerichts­voll­zieher (privater Verschul­dung), beim Ordnungsamt (wegen rassis­ti­scher Übergriffe) bei KIK und bei Netto (wegend der miesen Arbeits­be­din­gungen hier und im Ausland)und beim Mobicenter der Stadt­werke (wegen der Strom­sperren und der Schwarz­fahrer-Krimi­na­li­sie­rung). Die Protes­tie­renden reisen als Rote-Punkt-Gruppe durch  Wuppertal.

Gemein­samer Abschluss soll um 18:00 Uhr eine gemein­same Demons­tra­tion durch die Holzer­strasse in der Südstadt mit Abschluß­kund­ge­bung vor dem Nazi-Haus sein.  Der Treff­punkt ist Holzerstrasse/ Ecke Weststrasse

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