Film und Diskussion mit Abahlali baseMjondolo aus Südafrika

Wir freuen uns sehr auf den dritten Besuch von Aktiven der "Bewegung der HüttendorfbewohnerInnen", Abahlali baseMjondolo, in Wuppertal am 23.November. Wir laden alle ein, gemeinsam die preisgekrönte Doku "Dear Mandela" zu sehen, und im Anschluss mit unseren Gästen über die aktuelle Situation in Südafrika zu diskutieren.

23.11.2012, 19:00 Uhr - Autonomes Zentrum Wuppertal, Markomannenstr.3 (Elberfeld)

Als im Sommer 2012 – während der Fußball-WM in Südafrika – erstmals Freunde und Freundinnen der Bewegung der HüttendorfbewohnerInnen (Abahlali baseMjondolo) aus den Slums von Durban in Wuppertal zu Besuch waren, entstand ein Kontakt, der bis heute nicht abriss. Was auch vor allem an einer bemerkenswert solidarischen Haltung unserer Gäste lag. Für die Basisorganisation der HüttendorfbewohnerInnen, die für die Anliegen der in den informellen Siedlungen Südafrikas Lebenden kämpft, ist internationale Solidarität keine Einbahnstraße und sind die sozialen Kämpfe hier und überall mit ihren eigenen in Südafrika eng verkoppelt.

Eine Video-Botschaft der Solidarität von Abahlali baseMjondolo mit der von der Räumung bedrohten zapatistischen Gemeinde San Marcos Avilés in Mexiko.

Vermittelten uns unsere Gäste schon bei ihren Besuchen 2010 und 2011, (in dem gemeinsam der Hamburger "Recht auf Stadt"-Kongress besucht wurde), dass sich ihre Kämpfe gegen die ANC-Regierung zunehmend verschärften, so hat sich das im Laufe diesen Jahres nochmals gesteigert. Nach dem Massaker an Minenarbeitern der Platinmine von Marikana wurde von Abahlali eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der jede Hoffnung auf eine den Menschen zugewandte Politik der ANC-Regierung beerdigt wurde.

Es zeichnet die Basisbewegung Abahlali baseMjondolo aus, dass sie auch in der angespannten Atmosphäre des aktuellen Südafrika, das bis heute von Massenstreiks und gegen die ArbeiterInnen gerichteter Gewalt erschüttert wird, zu besonnener Entschlossenheit aufruft.  Die Aussagen von Abahlali nach der schlimmsten Polizeigewalt seit dem Ende der weißen Apartheit, waren klar und entschieden: "Der Krieg ist zu uns gekommen. Wir haben keine andere Wahl als ihn zu führen und uns zu widersetzen. Aber wir werden ihn mit den Mitteln unserer eigenen Politik führen, die eine militante Politik des Volkes ist. Sie beginnt und endet mit der Beachtung der menschlichen Würde." (Aus der PM nach dem Massaker)

Die Politik der Bewegung der HüttendorfbewohnerInnen weist weit über ihren eigenen prekären Kampf um bewohnbare Orte, um Wasser, um sanitäre Anlagen und Elektrizität hinaus. Abahlali nimmt in der Opposition gegen die neoliberale und korrupte Regierungspolitik des ANC inzwischen eine bedeutende Rolle ein. Dass Abahlali-Aktivisten und Aktivistinnen vor diesem Hintergrund permanenter Verfolgung und Repression ausgesetzt sind, und dass vielfach ihr Leben direkt bedroht ist, kann daher nicht verwundern. Es erfordert deshalb dringend unsere solidarische Aufmerksamkeit. Die umso wichtiger ist, je länger auch in Deutschland viele Linke durch falsch verstandene historische Verbundenheit die Politik des ANC nicht als das benennen, was sie längst ist: Eine brutale Klassenpolitik als Fortsetzung der Apartheit mit anderen Mitteln.

Am 23.November sind erneut Aktive von Abahlali bei uns zu Gast. Wir erwarten Muziwakehe Ndlalose, das ist der neu gewählte Vorsitzende von Abahlali, und Thembani Ngongoma (Mitglied des Exekutivkommittees). Sie bereisen Deutschland, um den inzwischen fertiggestellten und mehrfach preisgekrönten Dokumentarfilm "Dear Mandela" vorzustellen und über die aktuelle Situation der unabhängigen Sozialbewegungen in Süd-Afrika zu berichten.

Der 90-minütige Film "Dear Mandela" zeigt am Beispiel von drei "jungen LöwInnen" der neuen Generation den Alltag des Kampfes gegen die Abrisse und Zwangsräumungen in der Barackenstadt „Kennedy Road“. Rechtsgrundlage der ständigen Bedrohung der BewohnerInnen ist ein Anti-Slum-Gesetz der Regierung von KwaZulu Natal, dass alle selbstgebauten Siedlungen für illagal erklärt. Die vetriebenen Menschen werden oft in rigiden Container-Lagern weit abseits der Städte und der Erwerbsmöglichkeiten untergebracht. AbM klagte erfolgreich gegen dieses Anti-Slum-Gesetz. Aber gleichzeitig wird der politische Kampf immer härter geführt… Und die Hoffnung auf Freiheit und ein Leben in Würde, für die Nelson Mandela einst stand, wird jeden Tag aufs neue betrogen…

Der Film hat in den letzten Monaten zahlreiche internationale Preise gewonnen: Bester Dokumentarfilm und Großer Preis der Jury, Brooklyn Film Festival; Bester südafrikanischer Dokumentarfilm, Durban International Film Festival etc. Die Veranstaltung an einem Freitagabend im Wuppertaler Autonomen Zentrum ist die einzige Vorführung des Films in der Region. Sie beginnt um 19:00 Uhr (Film um 19:30 Uhr), der Eintritt ist frei, eine Spende zur Unterstützung der Reisekosten unserer Gäste wird erbeten.

Vor und nach dem Film bereichten und diskutieren wir über die aktuelle Lage und Perspektive der unabhängigen Sozialbewegungen und Gewerkschaften in Südafrika und überall...

Der Trailer des Films:

http://vimeo.com/26538549

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