Zum 8.Mai : Wie aus der deutschen Identität aussteigen ?

Zum 8.Mai veröf­fent­li­chen wir einen Redebei­trag, den der in Köln lebende Schrift­steller Doğan Akhanlı für die Feier am 17.April zum 70. Jahrestag der Befreiung Wupper­tals vom Natio­nal­so­zia­lismus beisteu­erte. Wir danken Doğan Akhanlı dafür, dass er uns seine Rede, die viele der Anwesenden sehr berührte, zur Verfü­gung gestellt hat.

(Direkt zum Text der Rede springen)

Am 8.Mai vor siebzig Jahren war Deutsch­land endlich besiegt. Das Land kapitu­lierte, nachdem sein geliebter Führer sich wenige Tage zuvor selbst erledigt hatte. Die deutsche Bevöl­ke­rung, die in weiten Teilen noch bis zum 8.Mai nicht vom Glauben an einen « Endsieg » lassen wollte und sich vielfach auch fleißig an den Endpha­se­ver­bre­chen beteilgte, um vor dem Ende noch möglichst viele zu ermorden, ergab sich.

Inzwi­schen ist der 8.Mai ein Tag, an dem viel zu viele « Danke » sagen und der auch von jenen als « Tag der Befreiung » gefeiert wird, die speziell heute einfach mal den Mund halten sollten. Wenn dieser Tag für Menschen eine Bedeu­tung hat, die im Land der Täter*innen leben, dann jene einer Beschäf­ti­gung mit den Taten, mit deren Ursachen, Wirkungs­weisen und Folgen. Mit jeder Zeitzeugin, jedem Zeitzeugen, der nicht mehr unter uns ist, mit jedem Jahr, wird es jedoch schwie­riger, dieser Bedeu­tung gerecht zu werden und die Inter­pre­ta­tion des Datums nicht einer inter­es­sen­ge­steu­erten Geschichts­schrei­bung zu überlassen.

Es stellt sich damit die Frage, wie ein 17.April oder ein 8.Mai diese Bedeu­tung in Zukunft behalten, und die damit verbun­dene leise Hoffnung auf Prozesse des Lernens und Verste­hens erfüllen kann. Denn es geht nicht nur um das Sterben der letzten Zeitzeug*innen. Auch das Land der Täter*innen hat sich verän­dert. Weniger ideolo­gisch als faktisch.

In einer Stadt wie Wuppertal leben inzwi­schen fast 100.000 Menschen mit einer migran­ti­schen Geschichte. Fast jede dritte Wupper­ta­lerin und jeder dritte Wupper­taler erlebt Tage wie den 8.Mai also inmitten der Nachfahren eines Täter­volks, ohne sich über Rückgriffe auf eine eigene (Familien-) Geschichte wirklich mit dem Anlass identi­fi­zieren zu können. Vielfach reagieren deutsche Antifaschist*innen irritiert auf diese mangelnde Identi­fi­ka­tion, ohne dabei wahrzu­nehmen, dass die eigene Beschäf­ti­gung mit trauma­ti­sie­renden Opfer- und Täter­ge­schichten jener irgend­wann zugewan­derten Menschen auch dürftig ausfällt. Denn kaum eine Bevöl­ke­rungs­gruppe mit migran­ti­scher Geschichte, die nicht auch von Genoziden, Massa­kern oder Vertrei­bungen geprägt ist.

2015, das Jahr, in dem sich eben nicht nur die Nieder­lage Deutsch­lands zum siebzigsten Mal jährt, sondern auch « Aghet » – der Genozid an den Armenier*innen – zum einhun­dertsten, wird das beson­ders augen­fällig, speziell in einer Stadt wie Wuppertal mit großen Commu­nities, die einen türki­schen oder kurdi­schen Bezug haben. Erst durch ein gegen­sei­tiges Inter­esse an der kollek­tiven Geschichte kann auch eine gemein­same Beschäf­ti­gung mit ihr erfolgen. Und erst, wenn daraus eine gemein­same Erfah­rung erwächst, kann am Ende vielleicht auch eine gemein­same Entwick­lung entstehen, die Tagen wie dem 8.Mai mehr Bedeu­tung verleiht als die wohlfeile Selbst­ver­ge­wis­se­rung eines peinli­chen Versuchs der Teilhabe an einem Sieg über den Faschismus.

Den Veranstalter*innen des lokalen « Befrei­ungs­festes » am 17.4. im Deweerth’schen Garten ist es deshalb hoch anzurechnen, den Versuch gewagt zu haben, verschie­dene kollek­tive Histo­rien und Verknüp­fungen von Täter- und Opfer­ge­schichten mitein­ander in einen Dialog zu bringen und damit eine Basis für eine mögliche zukünf­tige gemein­same Erinne­rungs­ar­beit zu legen.

Rede von Doğan Akhanlı beim Wupper­taler Befrei­ungs­fest

dogan

Ich möchte hier über die Nachwir­kungen von Gewalt und über meine Erfah­rungen mit Erinne­rung und Erinne­rungs­kultur berichten. Mein Beitrag ist daher auch eine persön­liche Geschichte von Fremd­heit und Nähe, Schuld und Verar­bei­tung, Schei­tern und Lernpro­zessen, von Verlet­zungen und mensch­li­chen Begeg­nungen.

Ende 1991 landeten wir als mittel­lose Flücht­lings­fa­milie in Köln. Gerade passierten die Pogrome und Brand­an­schläge in Hoyers­werda, in Rostock-Lichten­hagen und in Mölln. Wir lebten in einem Asylbe­wer­ber­heim in Bergisch Gladbach. Obwohl unser Asylan­trag noch nicht anerkannt war, durften wir in eine Wohnge­mein­schaft ziehen, weil unsere zukünf­tigen Mitbe­wohner uns dazu einluden. Sie hatten sich entschlossen, mit einer Asylbe­wer­ber­fa­milie zusammen zu wohnen. Kurze Zeit nach unserem Einzug starben fünf Menschen bei einem Brand­an­schlag auf ein Zweifa­mi­li­en­haus in Solingen. Es war unerträg­lich für uns, nach so langer Verfol­gung im Herkunfts­land weiter in einer bedroh­li­chen Situa­tion leben zu müssen. Aber auf der anderen Seite war mir bewusst, dass wir in dieser WG einen Schutz­raum erhalten hatten, der uns ermög­lichte, unser Leben noch mal aufzu­bauen.

Im Laufe der Zeit habe ich entdeckt, dass es zwischen der aktuellen Gewalt, von der wir als Familie getroffen waren, und der histo­ri­schen Gewalt unseres Landes Verbin­dungen gibt. Für mich war es eine wichtige Erkenntnis, dass ich bzw. wir Linken nicht das einzige Opfer der Gewalt sind. Und es kam die Frage auf, was hat unsere Erfah­rung mit dem Massen­mord an den Armeniern vor 100 Jahren zu tun ? Die Aufar­bei­tung der Deutschen und der Umgang mit ihrer Geschichte haben mir geholfen, zu meiner eigenen Aufar­bei­tung zu finden und zu einem neuen Umgang mit der Geschichte meines Herkunfts­landes. Nachdem ich mein Buch „Die Richter des Jüngsten Gerichts” fertig geschrieben hatte, war mir klar geworden, dass die Genozidopfer von 1915 der absoluten, totalen Willkür der jung-türki­schen Macht unter­worfen worden waren. Sie waren kollektiv zum Tode verur­teilt worden.

Eines Tages bin ich mit meiner Familie ins Kino gegangen, um den Film „Das Leben ist schön” von Roberto Benigni zu sehen. Nach dem Film war meine Tochter schockiert. „Das Leben sei überhaupt nicht schön” sagte sie. Sie meinte dann, „dass die Eltern von unseren deutschen Mitbe­woh­nern bestimmt nicht mitge­macht hätten” Und dann sagte sie „Gott sei Dank, dass wir keine Deutschen sind!”. Bis dahin verstand sie sich als Deutsche und plötz­lich wollte sie keine mehr sein. Sie hatte in diesen Abgrund geblickt und wollte aus der deutsche Identität aussteigen. Da habe ich mich gefragt, was ist denn mit den deutsch­stäm­migen Kindern ? Wie können sie aus der deutschen Identität aussteigen ? Und was passiert, wenn ich meinen Kindern vom Genozid an den Armeniern erzähle, in welche Identität können sie dann flüchten ?

Das war natür­lich eine katastro­phale Pädagogik, meine Kinder in so einen Film mitzu­nehmen. Doch haben mich ihre Reaktionen zu der Suche motiviert, welchen Weg es gibt, die Geschichte der beiden Verbre­chen so zu erzählen, dass klar wird, dass der Holocaust nicht nur eine deutsch-jüdische, sondern auch eine inter­na­tio­nale Geschichte ist.

Dann begann meine Odyssee in die deutsche Geschichte und Erinne­rungs­land­schaft : Ich erfuhr von der Gedenk­stätte Sachen­hausen, wo auf ausdrück­li­chen Wunsch zweier höherer Beauf­tragter der türki­schen Sicher­heits­kräfte im Januar/ Februar 1943 eine Besich­ti­gung in das Besuchs­pro­gramm genommen wurde. Von der Gedenk­stätte Ravens­brück, wo unter anderem zwölf türki­sche Jüdinnen aus Berlin mit drei Kindern am 26. Oktober 1943 einge­lie­fert wurden. Besuchte die Gedenk­stätte „Haus der Wannsee Konfe­renz”, wo fünfzehn Spitzen­be­amte der Minis­te­ri­al­bü­ro­kratie und der SS über die organi­sa­to­ri­sche Durch­füh­rung der „Endlö­sung” gespro­chen haben, die Gedenk­stätten Majdanek, Sobibor, und nicht zuletzt Ausch­witz, aus dem ich als retrau­ma­ti­sierter Mensch zurück­kehrte. Mir half nicht, dass ich kein Deutscher war, dass ich nicht einmal geboren war, als die Nazis einen Teil der Mensch­heit ausge­löscht hatten. Dort, in Ausch­witz-Birkenau, war ich nicht mehr Türke, Linker, Flücht­ling oder Folter­opfer. Dort sind Opfer und Täter in mir verschmolzen. Diese Erfah­rung hat  mich beinahe geschichtslos und handlungs­un­fähig gemacht. Doch bin ich kein Geschichts­loser geworden. Ich habe doch meine Handlungs­fä­hig­keit nicht verloren. Ich musste aller­dings meine Aufgabe, die ich mir selber gestellt habe, neu definieren.

Heute erinnern wir hier den 70. Jahrestag der Befreiung Wupper­tals vom Natio­nal­so­zia­lismus. Nach mir hält Uli Klan von der Armin T. Wegner Gesell­schaft über die deutsche Mitver­ant­wor­tung für den Völker­mord an den Armeniern 1915 eine Rede. Danach sprechen Vertre­te­rInnen der kurdi­schen und alevi­ti­schen Gemeinden, Nevzat Sahin und Funda Öztürk. Das Gypsy Trio Koblenz ist da, um mitzu­feiern. Wir hören Grußworte von Angehö­rigen und Verbänden der NS-Opfer. Das ist außer­or­dent­lich, dass Sie als Veran­stalter, mit dieser inhalt­li­chen Auswei­tung einen deutli­chen Bezug auf die armeni­schen Opfer des Völker­mords vor 100 Jahren, auf die in Deutsch­land wenig bekannten Massaker an Kurden in Dersim 1938 und die Massaker an Alewiten in Mara?, Çorum und Sivas nehmen. Dieser trans­na­tio­nale Erinne­rungs­raum ermög­licht uns, die Erfah­rungen und Geschicht(en) der Einwan­de­rInnen, die z.T. seit zig Jahren in Wuppertal leben, sichtbar zu machen, ohne die Schoah zu relati­vieren.

Wir wissen heute, dass mehrere deutsche Offiziere als osmani­sche Militär­be­rater an wichtigen Entschei­dungen über die Depor­ta­tionen der Armenier betei­ligt waren. Wir wissen heute, dass deutsche Diplo­maten immer wieder Berichte nach Berlin gesendet und das Ausmaß der Armenier­mas­saker geschil­dert haben. Wir wissen heute, was ab 1915 im osmani­schen Reich geschah. Raphael Lemkin, der Verfasser der UN-Völker­mord­kon­ven­tion, hat dem Verbre­chen einen Namen gegeben. Und die Forschung hat das Verbre­chen gegen Armenier und Aramäer, neben der Vernich­tung der Juden, Roma und Sinti in Europa und der Vernich­tung der Tutsi in Ruanda als „totalen”, „endgül­tigen” und „absoluten” Völker­mord einge­stuft.

Trotz so viel Wissen, solida­ri­siert sich die deutsche Politik hundert Jahre später weiter mit der türki­schen Täter­po­litik, die die Vergan­gen­heit ausra­dieren und ihr mörde­ri­sches Natio­nal­staats­pro­jekt fortsetzen will. Ich verstehe nicht, warum die deutsche Politik, die gelernt hat, sich der eigenen Geschichte zu stellen, den Völker­mord nicht anerkennen will. Warum deutsche Außen­po­litik ihre Stimme nicht auch für Menschen­rechte und Minder­hei­ten­rechte in der Türkei erheben will. Warum ist falsch, die genozi­dalen Erfah­rungen des 20. Jahrhun­derts zu einem zentralen Teil der Holocaust Educa­tion zu machen ? Die Beschäf­ti­gung mit dem Völker­mord an den Armeniern ist keine Relati­vie­rung der Schoah, sondern eine Erwei­te­rung und Vertie­fung der deutschen Aufar­bei­tung, die nicht mehr deutsch bleiben sollte. Um die Zukunft zu gestalten, brauchen wir in Deutsch­land - wie es hier gerade passiert - einen trans­na­tio­nalen Gedächt­nis­raum.

Wenn wir das Schicksal der Völker­mord­opfer nicht ändern, wenn wir sie niemals entschä­digen können, so haben wir doch die Möglich­keit in diesem trans­kul­tu­relle Erinne­rungs­raum die mörde­ri­sche Vergan­gen­heit zu verän­dern, wie Walter Benjamin es sich vorge­stellt hatte. Wir können mit unserem Wissen und das richtige Handeln die Bedeu­tung der Vergan­gen­heit verän­dern. Wir können die Geschichten der Opfer neu schreiben. Und auf diese Weise, wie Walter Benjamin glaubte, könnten wir unsere Vorfahren gewis­ser­maßen erlösen.

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w2wtal beim Schusterplatzfest

Die Initia­tive „welcome2wuppertal” (w2wtal) betei­ligte sich dieses Jahr am Schus­ter­platz­fest auf dem Ölberg nach der Autonomen 1.Mai-Demonstration. Wir dokumen­tieren hier ihren Redebei­trag, der auf der Homepage der Initia­tive veröf­fent­licht wurde. (English version)

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Liebe Freunde, liebe Freun­dinnen !

Europa führt einen Krieg gegen Flücht­linge. Wir finden die momen­tane Situa­tion der Flücht­linge und die aktuelle Asylpo­litik unerträg­lich und wollen diese nicht weiter hinnehmen !

Die Festung Europa produ­ziert täglich Tote, vor allem im Mittel­meer und an den Außen­grenzen. Im letzten Jahr starben 3.400 Menschen, und das, obwohl Italien mit der Opera­tion « Mare Nostrum » das größte Programm zur Seenot­ret­tung das es im Mittel­meer je gab, gestartet hatte. Aber weil die EU nicht bereit war, sich an den Kosten von « Mare Nostrum » zu betei­ligen, wurde selbst diese Mission einge­stellt und durch « Triton » ersetzt. « Triton » aber ist, im Gegen­satz zu « Mare Nostrum » keine Seenot­ret­tung, sondern eine von Frontex gelei­tete Grenz­schutz­ope­ra­tion. « Triton » deckt nur ein wesent­lich kleineres Seege­biet ab und ist nicht darauf ausge­richtet, Menschen­leben zu retten.

Die Konse­quenzen aus der misera­blen Politik und des Auflö­sens von « Mare Nostrum » waren in der vorletzten Woche allzu deutlich erkennbar. Inner­halb einer Woche ertranken mehr als 1000 Flüch­tende im Mittel­meer auf ihrem Weg nach Europa.

Trotzdem fällt den Regie­renden nichts Besseres ein, als die Mittel für den Grenz­schutz, also für Frontex, aufzu­sto­cken und Fischer­boote in Libyen zu zerstören, die vielleicht Schleu­ser­boote sein könnten. Europa scheint es weiterhin nur darum zu gehen, das Elend der Welt von seinen Grenzen fernzu­halten. Statt­dessen lassen sie lieber die flüch­tenden und asylsu­chenden Menschen in ihren kriegs­ge­schüt­telten Herkunfts- und Transit­län­dern verre­cken. Bedau­erns­wer­ter­weise trägt ein großer Teil der Bevöl­ke­rung in Deutsch­land diesen menschen­ver­ach­tenden Zynismus mit und verschließt die Augen vor den Flucht­gründen.

Die meisten der Flüch­tenden sind auf Schleuser angewiesen und verdanken ihnen ihr Überleben. Sie nehmen das hohe Risiko auf sich, über den Seeweg nach Europa zu gelangen, weil es ihren Tod oder großes Elend bedeuten würde, in den Herkunfts- und Transit­län­dern zu bleiben. Auf dem Landweg sind ihre Chancen noch geringer in Europa anzukommen, beson­ders für Familien mit Kindern. Es gibt keinerlei Alter­na­tiven. Außer­halb Europas gibt es keine Möglich­keit, ein humani­täres Visum zu beantragen und legal und sicher einzu­reisen. Selbst Kriegs­flücht­linge haben keine Chance, auf sicheren Wegen nach Europa zu kommen.

Genau daraus ergibt sich unsere Forde­rung, die sich als offen­sicht­liche Lösung aufdrängt : Sichere Flucht­wege zu öffnen und Möglich­keiten ein humani­täres Visum außer­halb Europas zu beantragen !

Fähren statt Frontex !

Es ist zum Verzwei­feln, dass angesichts der humani­tären Katastro­phen und des politi­schen Total­ver­sa­gens europäi­scher Asylpo­litik die einzige Reaktion der europäi­schen Regie­rungen in einem « Weiter so ! » besteht. Das ist aller­dings keine neue Erfah­rung, sondern bereits seit zwanzig Jahren der Fall. Wir ziehen daraus unsere Konse­quenz : Appel­lieren allein reicht nicht mehr aus ! Wir selbst, jeder von uns, müssen das mörde­ri­sche Kriegs­re­gime angehen und Initia­tive zeigen ! Wir fragen uns : Wie kann das aussehen ?

Vor über 200 Jahren wurde in den USA die „Under­ground Railroad“ aufge­baut. Diese Initia­tive schaffte Flucht­routen, über die Sklaven aus den Südstaaten in den sicheren Norden flüchten konnten. Betei­ligt waren zum Teil befreite Sklaven, aber auch weiße US-ameri­ka­ni­sche Sklaver­ei­geg­ne­rInnen. Über 100.000 Menschen wurden über diese Schleu­ser­routen aus der Sklaverei befreit. Das Ziel, heutzu­tage ein autonomes Schleu­ser­netz­werk aufzu­bauen ist sicher hoch gesteckt, aber wir wollen in eine ähnliche Richtung gehen und es gibt inner­halb Europas schon einige Ansätze.

Zum einen gibt es « welcome2europe»”, ein Netzwerk, das Flüch­tende unter­stützt und sich für ihre Rechte einsetzt. Zum anderen gibt es das Schiff “MS Sea-Watch ». Das ist ein privates Schiff, das bald ganz praktisch dem unhalt­baren Zustand im Seege­biet zwischen Malta und der libyschen Küste etwas entgegen setzen will. Die « MS Sea-Watch » wird ab nächste Woche Flücht­lings­booten in Not Ersthilfe leisten und die Seenot­ret­tung rufen. Außerdem gibt es das « Watch the Med»-AlarmPhone. Auch das Alarm­Phone ist eine private Initia­tive von politi­schen Aktivis­tInnen. Das « Watch the Med»-AlarmPhone ist 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche für in Seenot geratene Flücht­linge erreichbar. Nach einem Alarm-Anruf rufen die Aktivis­tInnen die Küsten­wache, den UNHCR und die Medien und sorgen dafür, dass Rettungs­maß­nahmen einge­leitet werden.

Das europa­weite Netzwerk « welcome2wurope » unter­stützt Geflüch­tete auf ihrem Weg durch Europa und stellt wichtige Infos oder Kontakte zur Verfü­gung. Doch es gibt ebenso lokale Initia­tiven in den Städten wie « welcome2wuppertal ».

Wir sind zwar keine Seeleute und können deshalb keine Flücht­linge aus Seenot retten. Doch das hält uns nicht davon ab, inner­halb unserer Stadt etwas zu tun ! Wir heißen Menschen, die neu in Wuppertal sind, willkommen und wollen für sie unsere Netzwerke und Freun­des­kreise öffnen. Außerdem möchten wir sie dabei unter­stützen, hier gut anzukommen, zum Beispiel in Form von Hilfe bei der Wohnungs­suche, oder beim Deutsch-Lernen. Dazu haben wir mit dem Café Ada einen selbst­or­ga­ni­sierten Deutsch-Kurs geschaffen. Nicht zuletzt tolerieren wir in unserer Stadt keine Nazis und gehen gegen sie vor, wo immer es nötig ist. Wenn es notwendig wird, sind wir auch bereit dazu, Abschie­bungen zu verhin­dern.

Einmal im Monat – an jedem dritten Sonntag – gestalten wir zusammen mit neu angekom­menen Flücht­lingen und Aktivis­tInnen ein Frühstück im Café ADA. (Das nächste Frühstück findet am 17.5. statt) Aus einem der Treffen ergab sich unsere gemein­same Aktivität beim Schus­ter­platz­fest am 1. Mai. Einige aus unserer Gruppe haben sich dazu bereit erklärt, etwas für unsere Nachba­rInnen zu kochen und Musik zu machen. Danke dafür !

Wir freuen uns über alle, die an unserem Infotisch vorbei­kommen und das Gespräch mit uns suchen.

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welcome2wuppertal (w2wtal)

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